Beschreibung der Topografie
der Region und Hinweise zu Besteigungen:
Der Dhaulagiri Himal ist eine
langgezogene Bergkette vom Dogari Himal im Westen bis zum Tukuche Peak
bzw. dem Tal des Kali Gandaki im Osten. Mit Ausnahme am French Col nördlich des Dhaulagiri I
verläuft dieser Gebirgszug in Höhen von oberhalb 6000 m, über weite
Strecken sogar oberhalb von 7000 m. Auf dieser Linie reihen sich
sämtliche Gipfel - mit Ausnahme des Dhaulagiri I (8167 m) mit
seinen südlichen Vorgipfeln. Der Dhaulagiri I steht relativ isoliert,
von der Hauptkette durch das tiefe Tal des Myagdi Khola getrennt. Nur im
Osten ist er über den 5700 m hohen vergletscherten Nordost-Col mit dem
Tukuche Peak verbunden. Nur "etwas aus der Reihe" steht der
Gurja-Himal (7193 m), der einen kurzen Ausläufer markiert, der etwa auf
halber Länge der Kette nach Süden vorspringt. Der Dhaulagiri Himal
trennt die nepalesische Region Upper Dolpa im Norden von dem Vorland im
Süden, er liegt also ganz auf nepalesischem Staatsgebiet. Das
Gebirge markiert eine deutliche Grenze zwischen hohen
Nierderschlagsmengen im Süden und deutlich geringeren Mengen im
nördlichen Upper Dolpa, das noch weiter im Norden in das tibetische Hochland
übergeht.
Die höchsten Gipfel der durchgehenden
Kette sind (von West nach Ost, siehe z.T. auch obiges Bild): Putha Hiunchuli
(7246 m, Erstbesteigung 1954), Churen Himal (7371 m, Erstbesteigung
1970), P 7108, Dhaulagiri VI (7268 m, Erstbesteigung 1970), Gurja Himal
(7193 m, Erstbesteigung 1969), Dhaulagiri IV (7161 m, Erstbesteigung
1975), Dhaulagiri V (7618 m, Erstbesteigung 1975), Dhaulagiri III (7715
m, Erstbesteigung 1973), Dhaulagiri II (7751 m, Erstbesteigung 1971),
Mukut Himal (6639 m) und Tukuche Peak (6920 m, Erstbesteigung 1969).
Zwischen dem Ostgipfel des Mukut Himal (=Sita Chuchura) und dem Tukuche
Peak liegt der tiefste Punkt der Kette, der French Col (5360 m). Dieser
Pass ist der Übergang in der Umrundung des Dhaulagiri I zwischen dem
Myagdi-Tal und dem Hidden Valley, dem Hochtal hinüber zum Dhampus-Pass
und weiter hinunter ins Tal des Kali Gandaki. In der gesamten Gebirgskette
ist dies der einzige Übergang, den ein Trekker gehen kann.

Blick von Sibang (1650 m) in das Tal des
Myagdi Khola. Rechts der Dhaulagiri I (8167 m) mit dem Manapati (6380
m). Links der Dhaulagiri V (7618 m) und der Tsaurabong (6395 m)
Foto: Lubomir
Dedek, picasaweb.google.com
Im Südosten des Dhaulagiri
Himal sind die Vorberge sanft, die Hänge erlauben Getreideanbau auf
Höhen um die 1500 m. Hier stehen im Norden der Gurja Himal und Dhaulagiri V
sowie der Dhaulagiri I, teilweise verdeckt von Manapati (6380 m) und
Jirbang (6062 m). Von hier aus verläuft die Schlucht des Myagdi Khola
direkt nach Norden zwischen den Gipfeln Dhaulagiri V, III und II und dem
Dhaulagiri I. Am Beginn der Schlucht findet man zunächst noch wuchernde
subtropische Vegetation, mit zunehmender Höhe wird der Bewuchs alpin,
bis schließlich in einer engen Schlucht mit fast senkrechten
Felswänden höchstens noch stellenweise Gras anzutreffen ist (siehe folgendes
Foto).

Im Tal des Myagdi Khola jenseits des
Italian Basecamp. Voraus der Mukut Himal (6639 m)
Foto: Betty,
picasaweb.google.com
Auf Höhe des Richtungswechsels
nach Osten unter der Südwand des Mukut-Himal (6639 m) wird das Tal wieder
etwas weiter. Voraus im Osten steht der Tukuche Peak (6920 m) und rechts
der "Eiger", ein Vorberg in der Nordwand des Dhaulagiri I, der
dem Eiger bei Grindelwald ähnelt.
Auf 4750 m Höhe liegt der Platz des Dhaulagiri-Basislagers, mitten auf dem
Gletscher. Während hier im Süden und Osten die Wände des
Dhaulagiri I bzw. des Tukuche Peak drohend über einem stehen, hat sich nach
Westen hin ein weiter Blick auf Dhaulagiri V, III und II geöffnet
(siehe folgendes Bild). Der Dhaulagiri III ist kaum mehr als eine Erhebung
im Grat zwischen D V und D II. Der Wanderer kam das Tal links der
Bildmitte herauf.

Von links: Dhaulagiri V (7618 m) , III (7715
m) und II (7751 m) vom Basislager am Dhaulagiri I
Foto: Lubomir
Dedek, picasaweb.google.com
Dieser Lagerplatz ist das
Basislager fast aller Expeditionen, die den Gipfel des Dhaulagiri I zum
Ziel haben. Sie nehmen den Weg der Erstbesteiger unmittelbar unter dem
Eiger hindurch (Steinschlag!) und weiter über den Gletscher unter der
Ostflanke bis zum Nordostsattel auf 5700 m Höhe. Von hier führt der
Nordostgrat als natürliche Linie zum Gipfel (siehe folgendes Bild).

Nordostgrat des Dhaulagiri I (8167 m) von
etwa 5900 m Höhe gesehen.
Der Nordostgrat war die Route der
Erstbesteiger im Jahr 1960.
Foto: Dieter Porsche aus dessen Büchern "Der
weiße Berg" und "Mount
Everest, Nanga Parbat, Dhaulagiri", www.alpin-extrem.de
Der Dhaulagiri I war der
vorletzte Achttausender in der Serie der Erstbesteigungen. Eine Schweizer
Expedition brachte im Jahr 1960 insgesamt 6 Bergsteiger auf den Gipfel.
Die Versorgung der Expedition wurde mit einem Flugzeug durchgeführt, das
auf dem Nordostsattel landete. Eine Bruchlandung im Hidden Valley
nördlich des French Col zwang die Expeditionsteilnehmer aber dann doch
noch zum Lastenschleppen auf dem eigenen Rücken.
Am Dhaulagiri I wartet
immer noch eine der großen Herausforderungen auf die Elite der
Bergsteiger: Die vollständige Durchsteigung der gefährlichen und
schwierigen Südwand. Mehr zur Geschichte des D I können Sie hier
nachlesen.
Der Vollständkeit halber sei
noch der Blick vom Aufstieg am Dhaulagiri I auf den Annapurna Himal
gezeigt:

Blick aus etwa 6250 m Höhe nach Oste
www.alpin-extrem.de
Dazwischen liegt das Tal des
Kali Gandaki, angeblich das tiefste Tal der Erde. Hier am Kali Gandaki
steht westlich von Kalopani (2530 m) der Dhaulagiri I (8167 m) und
östlich die Annapurna I (8091 m). Die Tiefe des Tals beträgt also in
Bezug auf die höchsten Gipfel 5640 bzw. 5560 m. Betrachtet man beide
Talseiten zusammen, so trifft die Eigenschaft "tiefstes Tal" zu.
Man muss aber wissen, dass es im Karakorum einen größeren
Höhenunterschied von Talsohle zum nächsten Gipfel gibt, nämlich vom
Hunza-River nördlich Gilgit (1600 m) zum östlich gelegenen Gipfel des
Rakaposhi (7788 m). Hier besteht ein Höhenunterschied von 6190 m,
allerdings nur auf einer Talseite. Gegenüber sind es gut 2000 m weniger.
Wie der Weiterweg des Trekkers
vom Basislager aus verläuft, ist gut auf dem folgenden Bild zu erkennen,
das vom Nordostgrat des Dhaulagiri I aufgenommen wurde. Die Spitze des "Eiger"
sieht man in Bildmitte. Darunter im Tal (hier verdeckt durch den Eiger) befindet sich das
Basislager. Der Bergsteiger ist über den Gletscher rechts unten
heraufgekommen; rechts außerhalb des Bildes steht der Tukuche Peak.

Blick aus etwa 6800 m Höhe am
Nordostgrat des Dhaulagiri I nach Norden.
In der linken Bildhälfte der
Mukut Himal/Sita Chuchura (6639 m). Rechts auf 2/3 der Bildhöhe
der
French Col (5360 m) mit dem Hidden Valley dahinter.
Foto: Dieter Porsche aus dessen Büchern "Der
weiße Berg" und "Mount
Everest, Nanga Parbat, Dhaulagiri", www.alpin-extrem.de
Den Trekker führt der Weg vom
Basislager nach Norden zum French Col (5360 m). Dieser Pass ist auf dem
vorstehenden Foto gut zu erkennen: rechts sieht man in 1/3 der Bildhöhe
von oben einen von rechts nach links fast waagrecht verlaufenden Grat
einer Moräne. Am tiefsten Punkt befindet sich der French Col. Dahinter -
nach rechts aus dem Bild - ist noch der obere Teil des Hidden Valley
zu sehen. Der Sita Chuchura - der rechte Gipfel des Mukut-Massivs - ist
der Wegbegleiter bis zum Dhampus-Pass, der sich rechts außerhalb des
Bildes befindet. Am Dhampus-Pass beginnt der lange Abstieg hinunter in das
Tal des Kali Gandaki. Im Foto sind jenseits des French Col die Gipfel um
den Honde Himal (6556 m) zu erkennen.