Beschreibung der Topografie
der Region und Hinweise zu Besteigungen:
Der Annapurna Himal ist Bestandteil des
Hauptgebirgszugs des Himalaya, wie auch die unmittelbare Fortsetzung im
Westen, der Dhaulagiri Himal, und die unmittelbare Fortsetzung im Osten,
der Manaslu Himal. Nördlich des Annapurna Himal liegen - noch auf
nepalesischem Staatsgebiet - zwei weitere größere Gebirgsketten: der
Damodar Himal und der Peri Himal. Im Westen sind Annapurna Himal und
Damodar Himal durch das Tal des Kali Gandaki vom Dhaulagiri Himal
getrennt, im Osten ist das Tal des Marsyangdi Khola bzw. dessen Nebenfluss
Dudh Khola die Trennlinie zwischen Annapurna Himal bzw. Peri Himal und
Manaslu Himal. Das Tal des Oberlaufs des Marsyandi Khola trennt den
Annapurna Himal von Damodar- bzw. Peri Himal.
Im Annapurna Himal gibt es so gut wie
keine Talgletscher, d.h. die Vergletscherung beschränkt sich im
Wesentlichen auf die Hängegletscher an den Gebirgshängen. Der Grund
hierfür ist die relativ tiefe Lage der Täler, die auf dem 28.
Breitengrad für zu hohe Durchschnittstemperaturen sorgt, als dass sich
das von den Hängen abfließende Eis auch noch auf den Talsohlen halten
könnte. Z.B. liegt der Ort Manang am oberen Ende des Marsyangdi Khola
auf 3500 m Höhe. Das Tal des Kali Gandaki liegt gar auf Höhen
unterhalb 2600 m.

Der westliche Teil des Annapurna Himal vom
Nordostgrat des Dhaulagiri
I.
Von links: Nilgiri North (7061 m), Nilgiri Central (6940 m), Nilgiri South
(6839 m), Roc Noir (Kangshar Kang, 7485 m, über dem Nilgiri South),
Annapurna I (8091 m),
Fang (Bharha Chuli, 7647 m), Annapurna South (7219 m)
Foto: Dieter Porsche aus dessen Büchern "Der
weiße Berg" und "Mount
Everest, Nanga Parbat, Dhaulagiri",
www.alpin-extrem.de
Der Kamm des Annapurna Himal ist im
Westen gegabelt. Auf dem nördlichen "Zweig" liegen die
Siebentausender Tilicho Peak (7134 m, Erstbesteigung 1978) und Nilgiri
(7061 m, Erstbesteigung 1962). Vom Verzweigungspunkt Roc Noir (Kangshar
Kang, 7485 m, Erstbesteigung 1969) verläuft dieser Zweig zunächst nach
Nordwesten, schwenkt am Tilicho Peak nach Westen, und nimmt schließlich
am Nilgiri Nord die Richtung nach Süden mit dem Nilgiri Süd als
Endpunkt. Auf dem südlichen Zweig, der zunächst nach West-Süd-West
und dann nach Süden verläuft liegt die Annapurna I (8091 m,
Erstbesteigung 1950), der Fang (Bharha Chuli, 7647 m, Erstbesteigung
1980) und die Annapurna South (7219 m, Erstbesteigung 1964). An der
Annapurna South gibt es noch den "Abzweig" nach Osten zum
Hiunchuli (6441 m, Erstbesteigung 1971).
Das fast geschlossenen Rund der Gipfel
zwischen diesen beiden westlichen Zweigen wird vom Nigiri Khola, der in
den Miristi Khola mündet, nach
Südwesten entwässert. Die Schlucht ist in ihrem unteren Teil
vollkommen unzugänglich. Dies zwang die Erstbesteiger der Annapurna I,
die französische Expedtion unter Leistung von Maurice Herzog, im Jahr
1950 am Osthang des Kali Gandaki auf einem gefährlichen Pfad hoch
hinauf zum Thulobugin-Pass (4310 m) zu steigen und jenseits hinunter
zum Talboden des Miristi Khola am Nord-Annapurna-Gletscher.

Blick vom Thulobugin-Pass (4310 m) zur
Westflanke der Annapurna I
Von links: Annapurna I (8091 m), Westgipfel, Fang (Bharha Chuli, 6747
m),
Annapurna South (7219 m)
Foto: Gianni
PK, picasaweb.google.com
Diesen Weg
nehmen auch heute noch alle Expeditionen zur Nordflanke der Annapurna I.
Es ist kein Weg für Trekker. Die Nordflanke der Annapurna I ist stark
vergletschert und extrem durch Lawinen gefährdet. Dies ist auch der
Grund dafür, dass die Annapurna I der Achttausender mit der höchsten
Todesrate unter den Bergsteigern ist. Die Annapurna I ist der erste
bestiegene Achttausender.

Nordflanke der Annapurna I
Foto: Tomaz Humar,
www.humar.com
Der Miristi Khola mündet bei Tatopani
(1190 m) in den Kali Gandaki. Der Kali Gandaki entspringt im Norden an der
tibetischen Grenze und durchschneidet das Gebirge des Himalaya von Nord
nach Süd. Der Fluss hat bereits existiert, bevor sich das Gebirge unter
dem Druck der Kontinentalverschiebungen hob. Mit der Hebung grub er sich
immer tiefer in das neue Gebirge. Nur so ist es erklärbar, dass der Fluss
nördlich des Hauptgebirgszuges entspringt und nach Süden zur indischen
Tiefebene fließt. Ähnlich verhält es sich mit dem Arun östlich des
Everest-Gebietes oder auch mit dem Indus am Südrand des Karakorum.
Das Tal des Kali Gandaki ist der tiefste
Taleinschnitt des Himalaya. Westlich von Kalopani (2530 m) steht der
Dhaulagiri I (8167 m) und östlich die Annapurna I (8091 m). Die Tiefe
des Tals beträgt also in Bezug auf die höchsten Gipfel 5640 bzw. 5560
m. Betrachtet man beide Talseiten zusammen, so trifft die Eigenschaft
"tiefstes Tal" zu. Man muss aber wissen, dass es im Karakorum
einen größeren Höhenunterschied von Talsohle zum nächsten Gipfel
gibt, nämlich vom Hunza-River nördlich Gilgit (1600 m) zum östlich
gelegenen Gipfel des Rakaposhi (7788 m). Hier besteht ein Höhenunterschied
von 6190 m, allerdings nur auf einer Talseite. Gegenüber sind es gut
2000 m weniger.

Tilicho (7134 m, links) und Nilgiri North
(7061 m) aus dem Tal des Kali Gandaki bei Syang südlich von Jomosom
Foto: Chee
Yang, picasaweb.google.com
Der Kali Gandaki durchfliest zunächst im
Norden die wüstenhafte Region Mustang und kommt dann erst zwischen den
Orten Kagbeni (2800 m) und Jomosom (2720 m, Flughafen) in die Regionen mit
langsam zunehmenden Niederschlagsmengen. Ab Marpha (2670 m; hier kommt der
Trekkingpfad vom Dhampus-Pass herunter) ist
dann Ackerbau und Obstanbau in nennenswertem Umfang ohne aufwändige
künstliche Bewässerung möglich. Ab hier
nimmt auch die Bewaldung der Hänge zu.

Im Tal des Kali Gandaki nördlich von
Larjung (2550 m) mit Blick auf den Dhaulagiri I (8167 m)
Foto: Chee Yang,
picasaweb.google.com
Der Talboden ist bis zum Ort
Kalapani (2530 m) breit und eben, so dass der Fluss zwischen den Talseiten
hin und her mäandert. Weiter nach Süden hat er sich dann aber zwischen
eng zusammentretenden Berghängen schluchtartig eingegraben. Bei Tatopani
(1190 m) tritt er schließlich aus dem Hochgebirge heraus.
Leider haben es die Nepalesen inzwischen
fertiggebracht, eine "Straße" das Tal hinauf zu bauen, so dass
man sogar noch im hochgelegenen Wallfahrtsort Muktinath auf 3760 m Höhe
von den Staub- und Abgasfahnen der Jeeps eingenebelt wird. Dies dürfte
immer mehr Trekker veranlassen, das Tal nach ihrer Tour bereits oben in
Jomosom mit dem Flugzeug zu verlassen, so dass die Orte weiter unten das
Nachsehen haben werden. Es ist auch möglich, dass die Zahl der Trekker
auf dem berühmten Annapurna-Circuit generell zurückgehen wird.
Vom Verzweigungspunkt der Hauptkette am Roc
Noir (Kangshar Kang, 7485 m, Erstbesteigung 1969) verläuft die Hauptkette
des Annapurna Himal nach Osten mit den Gipfeln Glacier Dome (Tarke Kang,
7193 m, Erstbesteigung 1964), Gangapurna (7455 m, Erstbesteigung 1965),
Annapurna III (7555 m, Erstbesteigung 1961), Annapurna IV (7525 m,
Erstbesteigung 1955), Annapurna II (7937 m, Erstbesteigung 1960) und
Lamjung Himal (1983 m, Erstbesteigung 1974).
Nach Süden hin sind der Hauptkette grüne
Vorberge mit Höhen um die 3000 bis 4000 m vorgelagert. Es gibt aber in
der Mitte der Hauptkette auch einen nach Süden abzweigenden kurzen
Ausläufer der hohen Gipfel. Von der Annapurna III zweigt er ab zum
"heiligen Berg" Machhapuchare (6997 m), ein äußerst kühner
Gipfel, der das gesamte Vorland beherrschend überragt. Sein Name bedeutet
"Fischschwanz", weil sein Gipfel von Südwesten gesehen der Flosse
eines Fischschwanzes ähnelt. Der Machhapuchare ist unbestiegen; es wird
keine Erlaubnis zu seiner Besteigung erteilt.
Von Süden kann der Annapurna Himal bereits
von der Provinzhauptstadt Pokhara (Flughafen) gut betrachtet werden:

Blick von Sarangkot oberhalb von Pokhara
zum westlichen Teil des Annapurna Himal.
Von links: Annapurna South (7219 m), Hiunchuli (6641 m, der niedrige
vorgelagerte Gipfel), Annapurna I (8091 m, im Hintergrund links der
Bildmitte direkt neben dem Hiunchuli), Roc Noir (Kangshar Kang, 7485 m,
Bildmitte), Machhapuchare (6997 m)
Foto: Catherine
Witczak, picasaweb.google.com

Blick von Sarangkot oberhalb von Pokhara
zum mittleren Teil des Annapurna Himal
Von links: Machhapuchare (6997 m), Annapurna III (7555 m), Annapurna IV
(7525 m),
Annapurna II (7937 m)
Foto: Catherine
Witczak, picasaweb.google.com

Der verbotene und unbestiegeneMachhapuchare
(6997 m)
Foto: Catherine
Witczak, picasaweb.google.com

Blick von Sarangkot oberhalb von Pokhara
zum östlichen Teil des Annapurna Himal
Von links: Annapurna IV (7525 m), Annapurna II (7937 m), Lamjung Himal
(6983 m)
Foto: Catherine
Witczak, picasaweb.google.com
Der
westliche Teil des Annapurna Himal ist am besten zu überblicken entweder von Deurali (2000 m)
oder noch besser von Poon Hill
(3193 m) mit Aussichtsturm. Von Poon Hill bei Ghorepnai ist auch der
gesamte Dhaulagiri Himal im Nordwesten im Blick. Von Süden her ist das
Tal des Modi Khola der beliebteste Zugang in den engeren Bannkreis der
Gebirgsriesen. Durch dieses Tal gelangt man zum sog. Sanctuary, dem
Talkessel unter der Südwand der Annapurna I.

Annapurna Basecamp (4130 m) mit Annapurna
South (7219 m)
Foto: Mike
Mellinger, flickr.com
Das dortige Annapurna
Basecamp mit gemauerten Häusern auf 4130 m Höhe ist ein berühmter
Aussichtspunkt im Amphittheater der umgebenden hohen Gipfel. Auch das
etwas tiefer gelegene Machhapuchare Basecamp auf 3700 m Höhe besteht aus
festen Unterkünften.

Blick vom Annapurna Basecamp (4130 m) zur
Annapurna III (7555 m, ganz links), zum Ghandarba Chuli (6248 m) und zum
Machhapuchare (6997 m)
Foto: Ben
Tubby, flickr.com
Vom Annapurna Basecamp sind im Blick (im
Uhrzeigersinn von Norden): Annapurna I (8091 m), Singu Chuli (6501 m),
Tharpu Chuli (5695 m), Annapurna III (7555 m), Ghandarba Chuli (6248 m),
Machhapuchare (6997 m), Hiun Chuli (6441 m), Annapurna South (7219 m),
Fang (Bharha Chuli, 7647 m).

Die Südwand der Annapurna I (8091 m) vom
Annapurna Basecamp (4130 m)
Foto: Andreas'
Photos, flickr.com