Beschreibung der Topografie
der Region:

Der Snow Lake von Süden nach Norden. Die
Zelte stehen an der Stelle, wo die Route östlich des Hispar La nach
Südosten zum Biafo-Gletscher schwenkt. Im Hintergrund rechts der
Bildmitte der Lukpe Lawo Brakk (6593 m)
Foto: www.karakoram-ski-expedition.com
Der Snow
Lake ist eine weitläufige gleißende Ebene aus Schnee in 4700 bsi 5000 m
Höhe, die an Bilder von
Regionen in der Arktis oder der Antarktis erinnert. Er ist Teil des Great
Karakorum im Übergang zwischen den Gipfeln des Baltoro Muztagh und des
Hispar Muztagh. Die Ebenen von Snow
Lake und Sim-Gang-Gletscher sind umrahmt von Gipfeln zwischen 6000 und
6600 m Höhe. Nur der Baintha-Brakk (Ogre) im Südosten nimmt mit seinen
7284 m Höhe und seiner abweisenden Nordwand eine Ausnahmestellung ein.

Die Nordwand des Baintha Brakk (7284 m,
links) vom Sim Gang-Gletscher
Foto: www.karakoram-ski-expedition.com
Mehrere Passübergänge führen aus diesem
Gletscherbecken heraus über die angrenzenden Gipfelketten. Der Hispar La (5150 m) im Westen ist der
Übergang vom Hispar-Gletscher (siehe
Karte und Beschreibung des Hispar-Muztagh). Der Khurdopin-Pass im Norden ist
der Übergang ins Shimshal-Tal, der Lukpe La im Osten ist der Übergang in
das unbewohnte Tal des Nord-Braldu, das weiter zum Shaksgam und zur
chinesischen Grenze führt. Aus dem Braldu-Tal gelangt man über den Shimshal-Pass
ebenfalls nach Westen in das Shimshal-Tal und weiter zum Karakorum-Highway
bei Pasu.

Aufstieg von Norden vom Braldu-Gletscher
zum Lukpe La.
Im Hintergrund der Bobishgir (6416 m)
Foto: www.karakoram-ski-expedition.com
Die Pässe Skam La und Sim La im Südosten
leiten hinüber zum Nobande-Sobande - bzw. zum Choktoi-Gletscher, die sich
weiter im Südosten zum Panmah-Gletscher vereinen. Der Panmah-Gletscher
wiederum ist die Quelle des Dumord, der in den Süd-Braldu mündet. Auf
dem berühmten Baltoro-Trek wird der Dumord auf der Hängebrücke bei
Jhula überquert (siehe Karte und
Beschreibung des Baltoro Muztagh).
All diese
Passüberschreitungen mit den beidseitigen Gletscherbegehungen setzen
Erfahrung im Hochgebirge und die entsprechende Ausrüstung voraus. Der
Snow Lake mag bei Sonnenschein und mit seiner absoluten Ruhe freundlich
und harmlos erscheinen. Tiefe Spalten - häufig durch dicke
Neuschneeauflagen verdeckt - mahnen zu großer Vorsicht.

Die kühnen Felsgestalten am Südwestrand
des Snow Lake im Übergang zum Biafo-Gletscher, der auf dem Foto nach
links abfließt. Rechts über den Zelten der Sosbun Brakk (6413 m).
Foto: www.karakoram-ski-expedition.com
Der Snow Lake ist
das Nährgebiet des nach Südosten gerichteten Biafo-Gletschers, einer der
weiteren ganz großen Gletscher des Karakorum. Mit 66 km
Länge (einschl. seines Nährgebietes im Snow Lake). und einer Breite
bis zu 3,5 km hat er wahrhaft gigantische Ausmaße. Schon am
Übergang vom Snow Lake in den Gletscher stehen im Südwesten einige imposante
Zinnen aus Fels, die keinen Namen tragen. Dann folgen die Felstürme des
Sosbun Brakk (6413 m) auf der rechten und des Uzun Brakk (6422 m) auf der
linken Gletscherseite. Etwa auf halber Länge öffnet sich schließlich
auf der Nordostseite ein Seitental mit den berühmten Felszinnen des Baintha Brakk
oder Ogre (7284 m) und der Latok-Gruppe (7145 m).
Der Baintha Brakk (Ogre) ist
ein äußerst schwieriger Berg, dessen Erstbesteigung im Jahr 1977
Geschichte machte, weil sich der Brite Doug Scott beim Abseilen
unmittelbar unter dem Gipfel beide Fußknöchel brach. Er konnte sich
fortan nur noch auf den Knien vorwärts bewegen. Sein Seilpartner Chris
Bonington stürzte beim weiteren Abstieg ins Seil und brach sich mehrere
Rippen. Zwei Bergsteiger aus der Mannschaft waren ihnen zur Rettung
entgegen gekommen. In schlechtem Wetter erreichten sie schließlich nach
9 Tagen das Basislager, Doug Scott auf Händen und Knien - vom Wandfuß
noch fünf Kilometer über den Uzun-Brakk-Gletscher robbend. Von hier
wurde Scott von Trägern 40 km weit nach Askole gebracht. Alle hatten
überlebt! Die zweite Besteigung des Ogre erfolgte erst 24 Jahre später
im Jahr 2001.