Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

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Nanga Parbat: Geschichte + Literatur

Vorbemerkung: Die Geschichte der Achttausender wird hier nur stichwortartig und beschränkt auf die wichtigsten Erkundungen und Besteigungen wiedergegeben. Dazu zählen die wichtigen Besteigungsversuche vor der Erstbesteigung, die Erstbesteigung selbst, die Erschließung neuer und anspruchsvoller Routen sowie einige weitere Ereignisse von besonderer Bedeutung. In der jeweils genannten Literatur sind die Ereignisse in ausführlicher Form beschrieben. Es ist nicht möglich, auf alle Besteigungen und Besteigungsversuche einzugehen, zumal die Berge heutzutage von einem Massenansturm überrannt werden.

 

1. Bestimmte Ereignisse und Literatur

Jahr Ereignis Literatur
1895 Erste Expedition von A.F. Mummery, G. Hastings, J.N. Collie und C.G. Bruce.

Erkundung der Ruplaflanke, Überquerung des Mazeno-Kammes zur Diamir-Flanke, Versuch Mummery's an der später nach ihm benannten Felsrippe bis auf 6100 m. Die Expedition geht dann über mehrere kleine Pässe zur Nordseite, während Mummery mit zwei Ghurkas die Nordflanke über eine der Diamir-Scharten erreichen wollte. Die Drei blieben verschollen, wahrscheinlich in einer Lawine umgekommen.

G.O.Dyhrenfurth Das Buch vom Nanga Parbat
Die Geschichte seiner Besteigung
Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1954
198 Seiten, gebunden, s/w-Fotos
Seite 7 - 13
Antiquariat
1932 Deutsch-amerikanische Expedition unter Leitung von Willy Merkl.

Aufstieg über die Rakhiot-Flanke (Nordseite). Am 30. Juli wurde westl. des zuvor erstiegenen Rakhiot-Peak Lager 7 auf 6950 m Höhe errichtet. Die einsetzenden Monsun-Schneefälle bedeuteten aber das Ende des Besteigungsversuches.

G.O.Dyhrenfurth Das Buch vom Nanga Parbat
Die Geschichte seiner Besteigung
Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1954
198 Seiten, gebunden, s/w-Fotos
Seite 17 - 27
Antiquariat
1934 Deutsche Expedition unter Leitung von Willy Merkl.

Besteigungsversuch über die Rakhiot-Flanke. Am 8. Juni starb Alfred Drexel an einer Lungenentzündung. Am 4. Juli begann man unterhalb des Rakhiot-Peak mit dem eigentlichen Angriff Richtung Silbersattel.
Erwin Schneider und Peter Aschenbrenner kamen am 6. Juli bis auf 7850 m Höhe, während die Mannschaft ihr Lager am Silbersattel aufschlug. In der folgenden Nacht setzte extremer Sturm ein. Man wartete einen Tag ab, entschloss sich dann aber am 8. Juli zum Rückzug. Schneider und Aschenbrenner übernahmen die Führung und kamen am selben Tag bis Lager 4 unterhalb des Rakhiot Peak, wo sie in Sicherheit waren. Uli Wieland, Will Welzenbach, Willy Merkl und 11 Sherpas kämpften am Grat um ihr Leben. Dem Inferno entkamen nur 5 der Sherpas; alle anderen starben, Willy Merkl am 17. Juli. Alle Rettungsversuche von unten scheitern am tiefen Schnee.

Fritz Bechtold Deutsche am Nanga Parbat
Der Angriff 1934
Bruckmann Verlag, München 1934
52 Seiten und 80 Fototafeln mit sehr guten s/w-Fotos
Antiquariat
G.O.Dyhrenfurth Das Buch vom Nanga Parbat
Die Geschichte seiner Besteigung
Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1954
198 Seiten, gebunden, s/w-Fotos
Seite 28 - 60
Antiquariat
1937 Deutsche Expedition unter Leitung von Karl Wien.

Besteigungsversuch über die Rakhiot-Flanke. Am 11. Juni wird Lager 4 in einer Mulde unterhalb des Rakhiot-Peak errichtet. Am 14. Juni begann man mit Transporten in Richtung Lager 5. In der Nacht vom 14. zum 15. Juni wird Lager 4 von einer Lawine verschüttet. Die gesamte Mannschaft im Lager, 7 "Sahibs" und 9 Sherpas kommen ums Leben. Das Unglück wird erst am 18. Juni durch den Arzt Ulrich Luft entdeckt.

Eine Bergungsexpedition (Paul Bauer, Fritz Bechtold und Karl. v. Kraus) bricht von Deutschland aus auf und birgt die Toten.

G.O.Dyhrenfurth Das Buch vom Nanga Parbat
Die Geschichte seiner Besteigung
Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1954
198 Seiten, gebunden, s/w-Fotos
Seite 61 - 71
Antiquariat
Paul Bauer Auf Kundfahrt im Himalaya
Verlag Knorr & Hirth, München
170 Seiten + 54 Bildtafeln, gebunden, Karten
Nanga Parbat 1937: Seiten 113 - 170
Antiquariat
1938 Deutsche Expedition unter Leitung von Paul Bauer.

Erneuter Versuch an der Rakhiot-Flanke. Man erreicht den Mohrenkopf und findet dort die Leichen von Willy Merkl und Gyali (1934). Mehrere Versuche, zum Silbersattel vorzustoßen, scheitern an den schlechten Wetterbedingungen.

Deutsche Himalaya-Stiftung Nanga Parbat - Berg der Kameraden
Bericht der deutschen Himalaya-Expedition 1938
Deutsche Himalaya-Stiftung München, 1943
184 Seiten, 89 Abbildungen, Karten
Antiquariat
G.O.Dyhrenfurth Das Buch vom Nanga Parbat
Die Geschichte seiner Besteigung
Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1954
198 Seiten, gebunden, s/w-Fotos
Seite 72 - 91
Antiquariat
1939 Deutsche Kleinexpedition unter Leitung von Peter Aschenbrenner

Erkundung der Diamir-Flanke (Westflanke) unter Teilnahme von Heinrich Harrer, Hans Lobenhoffer und Ludwig Chicken.

Bei der Rückkehr wurden die Vier in Karachi interniert, da am 1. Sept. der 2. Weltkrieg ausgebrochen war. 1944 gelang Aschenbrenner und Harrer die Flucht nach Tibet.

G.O.Dyhrenfurth Das Buch vom Nanga Parbat
Die Geschichte seiner Besteigung
Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1954
198 Seiten, gebunden, s/w-Fotos
Seite 92 - 101
Antiquariat
1950 Versuch der Engländer Thornley, Grace und Marsh an der Rakhiot-Flanke. Thornley und Marsh verschwanden auf 5500 m Höhe.  
1953 Deutsch-österreichische Expedition unter Leitung von Karl M. Herrligkoffer.

Erstbesteigung am 3. Juli durch Hermann Buhl über die Rakhiot-Flanke, den Silbersattel und den Ostgrat ohne künstl. Sauerstoff.. Am 3. Juli begannen Hermann Buhl und Otto Kemper den Anstieg vom letzten Lager am Mohrenkopf auf 6850 m Höhe. Kemper musste am Silbersattel umkehren. Buhl erreichte den Gipfel um 7 Uhr abends und musste dann beim Abstieg kurz unterhalb des Gipfels im Stehen biwakieren. Das er dieses Biwak überlebt hat, verdankte er der relativ warmen und windstillen Nacht. Dennoch erlitt er Frostschäden. Um 17.30 Uhr des 4. Juli stand er schließlich wieder am Silbersattel. Um 19 Uhr traf er dann wieder mit seinen Kameraden im Lager am Mohrenkopf zusammen.

Mit der Besteigung des Nanga Parbat wurde der Gipfelrekord ohne Verwendung künstlichen Sauerstoffs von 1950 an der Annapurna I gebrochen. Näheres zu Höhen- und Gipfelrekorden finden Sie hier.

In der Folge der Expedition kam es zu Auseinandersetzung zwischen Hermann Buhl, Hans Ertl und Dr. Walter Fraunberger einerseits und Karl Herrligkoffer andererseits. Die Bergsteiger warfen Herrligkoffer mangelnde Entschlusskraft vor und sprachen ihm die Qualität eines Expeditionsleiters ab.

Karl M. Herrligkoffer Im Banne des Nanga Parbat
Lehmann Verlag München
80 Seiten, Bildband
Antiquariat
Karl M. Herrligkoffer Nanga Parbat 1953
Verlag Neues Leben, Berlin, 1954
256 Seiten, gebunden, 92 Abbildungen + 8 Farbtafeln
Antiquariat
Karl M. Herrligkoffer Nanga Parbat 1953
Lehmann Verlag München
192 Seiten, gebunden, 84 Abbildungen, 9 Farbtafeln
Antiquariat
Karl M. Herrligkoffer Der letzte Schritt zum Gipfel
Kampf und Sieg im Himalaya
Robert Bardtenschlager Verlag, Reutlingen
187 Seiten, 24 s/w-Fotos, 4 Karten
Antiquariat
Hermann Buhl Achttausender - Drüber und Drunter
Nymphenburger Verlag, München, 1954
365 Seiten, 25 Abbildungen
Antiquariat
G.O.Dyhrenfurth Das Buch vom Nanga Parbat
Die Geschichte seiner Besteigung
Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1954
198 Seiten, gebunden, s/w-Fotos
Seite 105 - 151
Antiquariat
1961 Deutsche Expedition unter Leitung von Karl M. Herrligkoffer

1. Versuch an der Diamir-Flanke über den Nordpfeiler. Es wird eine Höhe von 7000 m erreicht. Schlechtwetter erzwingt den Abbruch der Expedition.

Karl M. Herrligkoffer Über die Diamir-Flanke zum Gipfel des Nanga Parbat
Berge der Welt, Band 14, 1962/63
1962 Deutsche Expedition unter Leitung von Karl M. Herrligkoffer

Erstbesteigung über die Diamir-Flanke und 2. Besteigung des Nanga Parbat. Am 22. Juni erreichen Toni Kinshofer, Anderl Mannhardt und Siegi Löw den Gipfel um 17 Uhr. Die Drei müssen auf 8080 m Höhe biwakieren. Beim Abstieg am 23. Juni stürzt Siegi Löw und stirbt an seinen schweren Kopfverletzungen.

Karl M. Herrligkoffer Über die Diamir-Flanke zum Gipfel des Nanga Parbat
Berge der Welt, Band 14, 1962/63
Schweizerische Stiftung für Alpine Forschungen
Seite 125 - 154
Antiquariat
1963 Deutsche Expedition unter Leitung von Karl M. Herrligkoffer

1. Versuch an der Rupal-Flanke, mit 4500 m Höhe die höchste Wand der Welt. Aufgrund von Streitigkeiten mit dem pakistanischen Verbindungsoffizier muss die Expedition auf 5800m abgebrochen werden.

 
1968 Deutsche Expedition unter Leitung von Karl M. Herrligkoffer

2. Versuch an der Rupal-Flanke. Auf der Südostrippe, in etwa 7100m Höhe, bricht sich Günter Strobl ein Bein und wird von seinen Kameraden 3000m abgeseilt.

 
1970 Expedition unter Leitung von Karl M. Herrligkoffer

Erstbesteigung über die Rupalflanke und 3. Besteigung des Nanga Parbat durch Reinhold und Günther Messner am 27. Juni. Beim Abstieg gegen Abend entschließen sich die beiden wegen der Erschöpfung von Günther Messner zum Abstieg über die leichtere Diamir-Flanke. Die Dunkelheit zwingt sie zu einem Biwak an der Merkel-Scharte unmittelbar über der Aufstiegsroute in der Rupalflanke. Am nächsten Morgen versuchen sie, Rufkontakt mit den zum Gipfel aufsteigenden Felix Kuen und Peter Scholz (4. Besteigung) aufzunehmen. Im Sturm ist keine Verständigung möglich. Reinhold und Günther Messner steigen nach Westen ab. Am Wandfuß - fast in Sicherheit - wird Günther Messner (vermutlich) von einer Eislawine verschüttet. Reinhold Messner erreicht das Tal und seine Gefährten unter größter Anstrengung bei totaler Erschöpfung. In Innsbruck müssen ihm fasst alle Zehen amputiert werden.

Das Ereignis führt zu heftigen und gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Reinhold Messner und Herrligkoffer sowie einigen anderen Teilnehmern. Die Vorwürfe, Reinhold Messner habe diese erste Überschreitung eines Achttausenders von vorn herein geplant und seinen Bruder bereits am Gipfel im Stich gelassen, werden erst mit dem Auffinden der Gebeine von Günther Messner am Fuß der Diamir-Wand im Jahr 2005 schlüssig wiederlegt. 

Reinhold Messner Der nackte Berg
Nanga Parbat - Bruder, Tod und Einsamkeit
Piper Verlag, München 2002
319 Seiten, gebunden, Farb- und schwarz-weiß-Fotos,
Karte
Buchhandel
Karl M. Herrligkoffer Kampf und Sieg am Nanga Parbat
Die Bezwingung der höchsten Steilwand der Erde
Spectrum Verlag, Stuttgart, 1971
Antiquariat
Reinhold Messner Die weiße Einsamkeit
Mein langer Weg zum Nanga Parbat
351 Seiten, Taschenbuch, Farb- und s/w-Fotos, Karten und Besteigungsrouten
Piper-Verlag, München 2007
Buchhandel
1976 Die Grazer Hanns Schell, Robert Schauer, Siegfried Gimpel und Hilmar Sturm erreichen über den Südwestgrat am 11.August als bisher sechstes Team den Gipfel.  
1978 Am 9. August gelingt Reinhold Messner der erste absolute Alleingang auf einen Achttausender. Über den rechten (von unten gesehen) Teil der Diamir-Flanke erreicht er um 16 Uhr den Gipfel nach 2 Lagern. Da am 8. August ein Erdbeben seine Aufstiegsroute für den Abstieg ungangbar gemacht hat, steigt er am 11. August über die Mummery-Rippe in Wandmitte ab, nachdem er am Tag zuvor von Sturm und Schlechtwetter in Camp 2 festgehalten worden war.
Reinhold Messner Alleingang - Nanga Parbat
BLV Verlagsgesellschaft, München 1979
269 Seiten, gebunden, Farb- und schwarz-weiß-Fotos, Karte
Antiquariat
Reinhold Messner Die weiße Einsamkeit
mein langer Weg zum Nanga Parbat
Piper Verlag, München
351 Seiten, Taschenbuch, s/w- und Farbfotos
Buchhandel
Auch als gebundene Ausgabe im Buchhandel.
1982 Einer erneuten Herrligkoffer-Expedition gelingt die komplette Durchsteigung des Südostpfeilers. Der Schweizer Ueli Bühler erreicht am 17.August den Südgipfel (8042m), steigt aber dann nicht weiter zum Hauptgipfel.  
1990 Der inzwischen 74-jährige Herrligkoffer organisiert seine letzte Expedition. Er selbst muss aber bereits im Indus-Tal zurückbleiben. Die Expedition hat - ebenso wie vier vorherige seit 1988 - keinen nennenswerten Erfolg. Herrligkoffer wirkt in seiner Besessenheit geradezu tragisch.

Die Person Karl Maria Herrligkoffer war bezüglich ihres autoritären Führungsstils bei den Expeditionen und der juristischen Verfolgung der Verwertungsrechte der jeweiligen Bergbesteigungen nicht unumstritten. So versuchte er sich stets bereits im Vorfeld der Expeditionen sämtliche Verwertungsrechte zu sichern, um so seine eigenwilligen Versionen der jeweiligen Expedition exklusiv und lukrativ schildern zu können. Widerstände gegen diese Methode Herrligkoffers, wie zum Beispiel von Hermann Buhl oder später Reinhold Messner, die eigene Publikationen über ihre Erfahrungen am Berg mit Herrligkoffer veröffentlichten, endeten in jahrelangen Rechtsstreitigkeiten. (Quelle: Wikipedia)

 
1995 Einer japanischen Expedition gelingt eine Besteigung über die Nordflanke auf einer teilweise neuen Route. Statt über den Rakhiot-Peak (siehe 1953) und den Ostgrat zum Silbersattel steigen Yukio Yabe, Takeshi Akiyana und Hiroshi Saito vom Rakhiot-Gletscher direkt hinauf zum Silberplateau. Am 23.7. erreichen sie den Gipfel auf Buhls Route ab dem Silbersattel.  

2. Allgemeine und sonstige Literatur (nur zum Nanga Parbat)

Literatur, welche sich auf viele Bereiche des Himalaya erstreckt, u.a. auch auf den Nanga Parbat, finden Sie unter "Literatur allgemein".

Autor Titel Verlag/Erscheinungsjahr Umfang/Art erhältlich im
G.O.Dyhrenfurth Das Buch vom Nanga Parbat
Die Geschichte seiner Besteigung
Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1954 198 Seiten, gebunden, s/w-Fotos Antiquariat
Helfried Weyer
Norman G. Dyhrenfurth
Nanga Parbat Badenia Verlag, Karlsruhe, 1980 142 Seiten, gebunden, viele Farbfotos
Geschichte des Nanga Parbat bis 1979
Bericht der Hermann-Buhl-Gedächtnis-Expedition 1979
Antiquariat
Ralf-Peter Märtin Nanga Parbat
Wahrheit und Wahn des Alpinismus
Berliner Taschenbuchverlag, 2004 444 Seiten, Taschenbuch
Geschichte des Nanga Parbat von Mummery bis Messner
Buchhandel

 

 

Copyright © Guenter Seyfferth, 2006. Aktualisierter Stand vom 20.08.2008 . Alle Rechte vorbehalten. 

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