Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

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Kanchenjunga: Geschichte + Literatur

Vorbemerkung: Die Geschichte der Achttausender wird hier nur stichwortartig und beschränkt auf die wichtigsten Erkundungen und Besteigungen wiedergegeben. Dazu zählen die wichtigen Besteigungsversuche vor der Erstbesteigung, die Erstbesteigung selbst, die Erschließung neuer und anspruchsvoller Routen sowie einige weitere Ereignisse von besonderer Bedeutung. In der jeweils genannten Literatur sind die Ereignisse in ausführlicher Form beschrieben. Es ist nicht möglich, auf alle Besteigungen und Besteigungsversuche einzugehen, zumal die Berge heutzutage von einem Massenansturm überrannt werden.



1. Bestimmte Ereignisse und Literatur

Jahr Ereignis Literatur
1899 Douglas W. Freshfield umwandert das Bergmassiv. Er betrachtet die Südwestflanke (heutige Normalroute) als ersteigbar.

Douglas W. Freshfield Round Kangchenjunga
A narrative of mountain travel and exploration
London, Arnold, 1903
367 Seiten, gebunden, Abbildungen und Karten
Antiquariat
1905 Expedition des irischen Journalisten Aleister E. Crowley

Versuch in der Südwestflanke. Bedingt durch schlechte Ausrüstung, Wahl der falschen Jahreszeit (Monsun) und mangelhafte Einschätzung wurde nur eine Höhe von etwa 6000 m erreicht. Ein Träger kam durch Absturz ums Leben, drei weitere Träger und der Schweizer Alexis A. Pache beim Abgang eines Schneebretts.

"Paches Grab", ein Vorsprung am Wandfuß, ist heute häufig Standort des ersten Lagers.

Jules Jacot-Guillarmod Vers le Kangchinjunga
Jahrbuch des SAC 41, 1906, S. 190 - 205
Antiquariat
1929 Der amerikanische Alleingänger E.F.Farmer versucht sich an der Südwestflanke und bleibt verschollen.  
1929 Deutsche Expedition unter Leitung von Paul Bauer

Besteigungsversuch über den Nordostgrat. Nach wochenlangem Kampf auf dem äußerst schwierigen Schnee- und Eisgrat musste am 4. Oktober auf etwa 7250 m Höhe aufgegeben werden.

An- und Abmarsch von Darjeeling über den Zemu-Gletscher in Sikkim
Paul Bauer Im Kampf um den Himalaya
Der erste deutsche Angriff auf den Kangchendzönga 1929
Knorr & Hirth, München, 1931
176 Seiten, gebunden, 100 s/w-Fotos, 5 Panoramen, 3 Karten
Antiquariat
Paul Bauer Kampf um den Himalaya
Das Ringen der Deutschen um den Kantsch, den zweithöchsten Berg der Erde
Knorr & Hirth, München, 1934
199 Seiten, gebunden, 182 s/w-Fotos, 5 Kartenskizzen und Profile
S. 17 - 125:  Der erste Versuch 1929
S. 126 - 194:Der zweite Versuch 1931
Antiquariat
1930 Internationale Expedition unter Leitung von G.O. Dyhrenfurth

Besteigungsversuch der Nordflanke im Frühjahr. Auf einer Eisterrasse werden am 8. Mai 6400 m Höhe erreicht. Am 9. Mai geht eine Lawine über der Aufstiegsroute nieder, in der der Sherpa Chettan ums Leben kommt. Daraufhin wird der Besteigungsversuch des Kanchenjunga an der Nordflanke abgebrochen. Ein weiterer Versuch am Nordwestgrat über den Kangbachen endet auf 6380 m in äußerst schwierigem Fels, der für Träger ungangbar ist.

Am 19. Mai besteigen Erwin Schneider und Frank S. Smythe den Ramtang Peak.
Am 24. Mai besteigt Erwin Schneider den Nepal Peak (7168 m).
Am 3. Juni besteigen Hermann Hoerlin und Erwin Schneider den Jongsang Peak (7483 m), am 8. Juni folgen G.O. Dyhrenfurth, Marcel Kurz, Frank S. Smythe, Ulrich Wieland sowie die Sherpas Lewa und Zirring.

Anmarsch von Darjeeling über den Kang La nach Nepal und den Kanchenjunga-Gletscher zur Nordflanke. Rückmarsch vom Jongsang-Peak durch Sikkim nach Darjeeling.

Günter Oskar Dyhrenfurth
+ Koautoren
Himalaya - Unsere Expedition 1930
Scherl-Verlag, Berlin, 1931
380 Seiten, gebunden, 112 s/w-Fotos, 8 Tiefdrucktafeln, 1 Panorama, 1 geologisches Profil, Karte 1:100000 in besonderer Mappe (!)
Antiquariat
Hettie Dyhrenfurth Memsahb im Himalaya
Deutsche Buchwerkstätten, Leipzig, 1931
71 Seiten, gebunden, + 48 Seiten mit s/w-Fotos
Antiquariat
Günter Oskar Dyhrenfurth Himalaya-Fahrt - Unsere Expedition 1930
Orell Füssli, Zürich, 1942
192 Seiten, kartoniert, 44 s/w-Fotos, 1 Kartenskizze
(vereinfachte Kriegsausgabe)
Antiquariat
Frank Smythe The Six Alpine/Himalayan Climbing Books
The Kangchenjunga Adventure
1931 Deutsche Expedition unter Leitung von Paul Bauer

2. Besteigungsversuch über den Nordostgrat. Nach wochenlangem Kampf auf dem äußerst schwierigen Schnee- und Eisgrat erreichen sie am 18. September den Sporngipfel auf etwa 7450 m Höhe, müssen dort aber erkennen, dass der folgende Schneehang zum Nordgrat wegen extremer Lawinengefahr nicht begehbar ist.

Am 9. August stürzen Hermann Schaller und der Sherpa Pasang in einem Couloir tödlich ab.

An- und Abmarsch von Darjeeling über den Zemu-Gletscher in Sikkim

Paul Bauer Um den Kantsch
Der zweite deutsche Angriff auf den Kangchendzönga 1931
Knorr & Hirth, München 1933
192 Seiten, gebunden, 72 s/w-Fotos, 2 Panoramen, Karte von Sikkim, beigefügte 3-farbige Karte des Zemu-Gletschers 1:33333 (!)
Antiquariat
Paul Bauer Kampf um den Himalaya
Das Ringen der Deutschen um den Kantsch, den zweithöchsten Berg der Erde
Knorr & Hirth, München, 1934
199 Seiten, gebunden, 182 s/w-Fotos, 5 Kartenskizzen und Profile
S. 17 - 125:  Der erste Versuch 1929
S. 126 - 194:Der zweite Versuch 1931
Antiquariat
1954 Britische Erkundungsexpedition unter Leitung von J.W.R. Kempe und G. Lewis

Am unteren Eisbruch der Südwestflanke wird eine Höhe von etwa 6200 m erreicht. Diese Route wurde aber letztlich als zu gefährlich eingestuft. Als Alternative wurde eine Route links vom Eisbruch über Paches Grab zum oberen Eisbruch empfohlen, der dann auch die Erstbesteiger im Jahr 1955 folgten.

J.W.R. Kempe  The Yalung Valley, 1953
Alpine Journal, 1954, S. 316 - 322
Antiquariat
1955 Erstbesteigung durch eine britische Expedition unter Leitung von Charles Evans

Besteigung über die Südwestflanke: Paches Grab, Sattel, oberer Eisfall, Sichel am 25. Mai durch Georg Band und Joe Brown mit künstl. Sauerstoff. Am 26. Mai folgten Norman Hardie und Tony Streather.

Charles Evans Kangchenjunga The Untrodden Peak
Hodder & Stoughton, London, 1956
187 Seiten, gebunden, + 19 Bildtafeln, Karten
Antiquariat
Georg Band Doe Erstbesteigung des Kangchendzönga
Berge der Welt, Band 11 1956/57,
Seite 109 - 134
Büchergilde Gutenberg, Zürich 1957
Antiquariat
1973 Japanische Expedition unter Leitung von Eizaburo Nishibori

Erstbesteigung des Yalung Kang (Westgipfel, 8505 m) über die Südwestflanke am 13. Mai durch T. Matsuda und Y. Ageta mit künstl. Sauerstoff. Matsuda verunglückte beim Abstieg tödlich.

 
1975 Deutsch-österreichischen Expedition unter Leitung von Günter Sturm

Am 9. Mai gelingt die 2. Besteigung des Yalung Kang (Westgipfel, 8505 m) über die Südwestflanke durch Michel Dacher, Erich Lackner und Rolf Walter mit künstl. Sauerstoff. Am 12. Mai folgen Gerd Bauer, Peter Vofler und Helmut Wagner, am 13. Mai Sepp Mayerl, Günter Sturm und Fritz Zintl.

Günter Sturm Erfolg am Kantsch
Die Himalaya-Expedition des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins
BLV Verlagsgesellschaft, München 1975
142 Seiten, kartoniert, 2 Karten, s/w- und Farbfotos
Antiquariat
1977 Zweite Besteigung durch eine indische Expedition unter Leitung von Narinder Kumar

Besteigung über den Nordostsporn (siehe 1929 und 1931) und den Nordgrat am 31. Mai durch Prem Chand, Naik Nima und Sherpa Dorje mit künstl. Sauerstoff.

 
1978 Polnische Expedition unter Leitung von Piotr Mlotecki

Am 18. Mai wird der Südgipfel (8476m) erstmals bestiegen durch E. Chrobak und W. Wroz (mit künstl. Sauerstoff).
Am 22. Mai wird der Mittelgipfel (8482 m) erstmals bestiegen durch W. Branski, H.M. Janas und K.W. Olech (mit künstl. Sauerstoff)

 
1979 Britische Klein-Expedition unter Leitung von Doug Scott

Am 15. Mai ersteigen Peter Boardman, Doug Scott und Joe Tasker erstmals die Nordflanke über Nordsattel und Nordgrat (ohne künstl. Sauerstoff). Es ist die dritte Besteigung des Kanchenjunga.

Doug Scott Himalayan Climber
Ein Leben in den höchsten Gebirgen der Welt
Rosenheimer Verlagshaus, 1992
192 Seiten, gebunden, Großformat, viele Farbfotos
Kanchenjunga: Seite 88 - 104
Antiquariat
Peter Boardman Auf den Zinnen der Götter
Das Jahr eines Bergsteigers
Albert Müller Verlag, 1982
255 Seiten, gebunden, Farbfotos
Kanchenjunga: Seite 76 - 170
Antiquariat
1980 Japanische Expedition unter Leitung von Masatsugu Konishi

Am 14.Mai erreichen 5 Teilnehmer den Gipfel über die direkte Nordflanke, am 17. Mai 4 weitere Teilnehmer (mit künstl. Sauerstoff)

 
1980 Deutsche Expedition unter Leitung von Karl Herrligkoffer

Am 15. Mai ersteigen Schorsch Ritter und die Sherpas Lhakbar Gyalbu und Nima Dorje den Gipfel über die Südwestflanke (mit künstl. Sauerstoff).

Karl Herrligkoffer Sieg am Kanchenjunga
Die deutsche Erstbesteigung
Knaur, München, 1983
344 Seiten, Taschenbuch, s/w- und Farbfotos
Tabellarische Geschichte bis 1983
Antiquariat
1981 Japanische Expedition unter Leitung von Kinichi Yamamori

Am 9. Mai werden gleichzeitig der Hauptgipfel und der Westgipfel (Yalung Kang) über die Südwestflanke erreicht.

 
1981 Tschechoslowakische Expedition unter Leitung von Ivan Gálfy

Am 20. Mai erreichten J. Psotka und L. Záhoransky den Gipfel über die Nordflanke.

 
1982 Kleinexpedition aus 3 Teilnehmern unter der Leitung von Reinhold Messner

Am 6. Mai erreichen Reinhold Messner, Friedl Mutschlechner und Ang Dorje den Gipfel über die Nordflanke, wobei sie im unteren Teil eine Variante zur Route der Engländer von 1979 wählen.

Reinhold Messner 3 x 8000
Mein großes Himalaya-Jahr
Herbig-Verlag, München, 1983
159 Seiten, gebunden, Großformat, viele Fotos
Kanchenjunga: Seite 10 - 41
Antiquariat
1983 Pierre Beghin gelingt die erste Alleinbegehung (ohne künstl. Sauerstoff)  
1985 Die Jugoslawen Bornt Bergant and Tomo Cesen besteigen den Yalung Kang über die Nordwand.  
1986 Am 11. Januar gelingt Krzysztof Wielicki und Jerzy Kukuczka die erste Winterbesteigung (über die Südwestflanke, ohne künstl. Sauerstoff)
Jerzy Kukuczka My Vertical World
Hodder & Stoughton, London 1992
189 Seiten, gebunden. Farbfotos
Ereignis am Kanchenjunga auf Seite 123- 132
Antiquariat
1989 Einer russischen Expedition unter Leitung von Eduard Myslovsky gelingt es, alle Gipfel (Süd, Mitte, Haupt, Yalung Kang) zu überschreiten, und zwar durch getrennte Gruppen jeweils in entgegengesetzter Richtung. Zwischen dem 9. April und dem 3. Mai gelingen insgesamt 85 Gipfelbesteigungen, davon 28 am Hauptgipfel.
Der Aufstieg erfolgte über die Südwestflanke.
Elizabeth Hawley Himalayan Database
Seasonal Stories for the Nepalese Himalaya
Season Spring 1989, Seite 56- 57
The American Alpine Club, 2004
1991 Marko Prezelj and Andrej Stremfelj, Mitglieder einer  slovenisch-polnischen Expedition, gelingt die Erstbegehung des sehr schwierigen Südgrats zum Südgipfel im alpinen Stil. Der Abstieg erfolgte über die Südwestflanke.  
1992 Wanda Rutkiewicz stirbt beim Versuch der Besteigung über die Nordflanke unterhalb des Gipfels.  
1995 Am 5. Oktober erreicht Erhard Loretan zusammen mit Jean Troillet den Gipfel über die Südwestflanke und ist damit der dritte Mensch nach Reinhold Messner und Jerzy Kukuczka, der alle 14 Achttausender bestiegen hat.

Beim Aufstieg überholen sie die beiden Franzosen Benoit Chamoux und Pierre Royer. Chamoux hätte mit der Bezwingung des Kanchenjunga ebenfalls alle 14 Achttausender bestiegen gehabt.  Chamoux ist aber extrem langsam und muss schließlich kurz unterhalb des Gipfels umkehren und biwakieren. Beide Bergsteiger kommen um. Ein tragisches Ende eines dramatischen Wettlaufs! (Elizabeth Hawley bezweifelt allerdings seine Besteigungen des Shihsa Pangma, des Dhaulagiri und des Cho Oyu).

Jean Ammann
Erhard Loretan
Erhard Loretan
Den Bergen verfallen
Paulusverlag, Freiburg (Schweiz), 1996
207 Seiten, gebunden, Hochglanz, Farbfotos und Skizzen
Kanchenjunga: Seite 189 - 199
Buchhandel
Bernadette McDonald Wir sehen uns in Kathmandu
Elizabeth Hawley
Bergverlag Rother, München, 2006
272 Seiten, gebunden
Buchhandel
hier relevant; Seite 201-202
1998 Die Britin Ginette Harrison erreicht als erste Frau den Gipfel über die Nordflanke.  

 

2. Allgemeine und sonstige Literatur (nur zum Kanchenjunga)

Literatur, welche sich auf viele Bereiche des Himalaya erstreckt, u.a. auch auf den Kanchenjunga, finden Sie unter "Literatur allgemein".

Autor Titel Verlag/Erscheinungsjahr Umfang/Art erhältlich im
G.O. Dyhrenfurth Das Buch vom Kantsch Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1955
188 Seiten, gebunden
einige s/w-Fotos, Karte
Geschichte bis 1955
Antiquariat
 
 

Copyright © Guenter Seyfferth, 2006. Aktualisierter Stand vom 20.08.2008 . Alle Rechte vorbehalten. 

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