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Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)
Mount Everest,
K2, Kanchenjunga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri I, Manaslu, Nanga
Parbat, Broad Peak, Annapurna I, Gasherbrum, Shisha Pangma und viele andere
Anmerkungen:
Hier finden Sie meine Rezensionen
zu neu erschienenen Büchern, welche die Bergwelt des Himalaya und ihre
Erschließung als
inhaltlichen Schwerpunkt haben und in dieser Hinsicht von besonderem
dokumentarischem Wert für die Allgemeinheit sind. Bücher, welche diesen
Anforderungen nicht genügen oder die vorwiegend dazu dienen, sich ein
medienträchtiges Ereignis zunutze zu machen, werden hier nicht aufgenommen. Ich befasse mich nicht mit Büchern, deren
Inhalte sich hauptsächlich mit den Völkern, den Religionen sowie mit Flora
und Fauna des Himalaya beschäftigen. Ich befasse mich auch nicht mit der
üblichen Reiseliteratur für den Tourismus.
Sie dürfen mir hier
gerne per E-Mail Hinweise auf weitere Neuerscheinungen geben - möglichst mit
genauen Angaben für den Erwerb. Ich werde mich dann um diese Bücher
bemühen, sofern sie "meiner" Thematik entsprechen und die
vorstehenden Bedingungen erfüllen. Bei Büchern aus
Quellen außerhalb des deutschsprachigen Raumes kann ich nur englischsprachige
Werke berücksichtigen und dies auch nur, soweit sie mit erträglichem Aufwand
erhältlich sind. Noch eine Schlussbemerkung, für die ich um Verständnis
bitte: Rezensionen bleiben trotz aller Bemühungen um Objektivität immer
Ergebnisse einer subjektiven Betrachtungsweise. Der einzelne Leser mag
durchaus zu einer anderen Beurteilung kommen; seine Kaufentscheidung trifft er
in eigener Verantwortung.
Die Bücher sind in der
Reihenfolge ihres Erscheinens geordnet - die jüngsten Ausgaben zuerst.
Weitere Angaben zu viel, viel
Literatur seit den Anfängen der Erschließung des Himalaya finden Sie auf
meinen Seiten "Die 14 Achttausender"
und "Literatur allgemein".
Ihr Günter Seyfferth
Inhalt:
Dieter
Porsche: Der versteckte Achttausender - Triumph und Tragödie am Hidden Peak
Reinhold Messner: Die rote Rakete
am Nanga Parbat (2010)
Dieter
Porsche: Mount Everest - Nanga Parbat - Dhaulagiri (2009)
Dieter Porsche: Der weiße Berg -
Überlebenskampf am Dhaulagiri (2009)
Jochen Hemmleb: Tatort Mount Everest - Der Fall
Mallory (2009)
Charlotte Jacquemart: Marcel Rüedi - Zehn Achttausender dank Gerda (2009)
Reinhold Messner: Diamir - König der Berge -
Schicksalsberg Nanga Parbat (2008)
Klicken Sie auf das Bild, wenn Sie es in größerem Format sehen wollen.
Dieter Porsche
Der versteckte Achttausender
Triumph und Tragödie am Hidden Peak
Verlag Pietsch, Stuttgart 2010
ISBN 978-3-613-50630-5
Gebunden, 224 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 150 x 225 x 20 mm, 600 Gramm
Preis: Euro 19,95
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Vorbemerkung: Da
ich persönlich die Kapitel im Anhang des Buches verfasst sowie die
Karten und Skizzen beigesteuert habe, bin ich als Rezensent befangen.
Ich verzichte deshalb weitgehend auf Beurteilungen und beschränke mich
im Wesentlichen auf eine Inhaltsübersicht.
Im Jahr 1998 hat der Autor Dieter Porsche
den Hidden Peak (Gasherbrum I) bestiegen, ab dem Lager 3 auf 7050 m
Höhe im Alleingang. Vom Aufbruch im Basislager auf 5000 m Höhe bis zum
8068 m hohen Gipfel benötigte er nur 31 Stunden. Die Route führte
durch den Gasherbrum-Eisbruch zum Gasherbrum-Sattel und von dort über
die Nordwand zum Gipfel. Sein Kamerad Peter Guggemos hatte das Pech,
oberhalb des Lagers 3 auszugleiten, hatte aber Glück im Unglück: etwa
300 m tiefer kurz vor dem Gletscherabbruch über der Nordwand endete
seine Schussfahrt; mit schmerzendem Bein konnte er sich hinüber zum
Lager schleppen - und schließlich nach der Rückkehr von Porsche auch
zurück ins Basislager (Das Wort "Tragödie" im Untertitel
übertreibt da also etwas.). Dieter Porsche, der von dieser ungewollten
Talfahrt im Dunkel der Nacht gar nichts mitbekommen hatte, stieg weiter
und nahm an, dass sein nach und nach zurückbleibender Kamerad umgekehrt
sei.
Im Buch sind sowohl der Anmarsch ab
Skardu/Askole zum Basislager als auch die Einrichtung der Hochlager und
dann schließlich der Gipfelsturm ausführlich geschildert und - wie
immer bei Dieter Porsche - reich bebildert. Die Bilder sind an der
jeweils zugehörigen Stelle des Textes platziert. So kann der Leser den
gesamten Weg der Expedition gut nachvollziehen und gewinnt einen
umfassenden Eindruck von der phantastischen Gebirgswelt rund um den
Baltoro-Gletscher im Zentrum des Karakorum. Nebenbei erfährt der Leser
auch einiges über die Erstbesteigungen der bekanntesten Gipfel. Zwei
Landkarten erleichtern die Übersicht über den Karakorum sowie die
Gipfelwelt des Baltoro.
Der Höhepunkt für den Betrachter sind
mit Sicherheit die Bilder vom Gipfel des Hidden Peak. Der Autor hatte
das Glück, etwa eine Stunde bei herrlichem Wetter auf dem Gipfel
verbringen zu können. Die Fernsicht reichte mehr als 200 km weit, so
dass er den gesamten Karakorum überblicken konnte. Auch der Nanga
Parbat, den er ein Jahr später besteigen sollte, war zu sehen. So gelangen Fotos,
die eine komplette Rundumsicht von 360 Grad vermitteln. Mir ist kein
einziges Buch von einem Achttausender bekannt, das eine solche komplette
Serie von Gipfelfotos enthält. Damit der Leser mit der verwirrenden
Gipfelwelt des Karakorum nicht alleine gelassen ist, sind alle wichtigen
Gipfel beschriftet. Die drei weiteren Achttausender des Karakorum K2,
Broad Peak und Gasherbrum II, aber auch viele interessante
Siebentausender stehen in unmittelbarer Nähe.
Wie auch schon anderen Extrembergsteigern
widerfuhr dem Autor in der Nähe des Gipfels eine "Begegnung",
die so seltsam war, dass sie ihn lange beschäftigte. Eine gewisse
Aufklärung brachte zwar die Entwicklung der Fotografien zu Hause, nicht
aber eine schlüssige Erklärung für das Erlebnis.
Der Autor wollte, dass mit diesem Buch
auch etwas Allgemeinwissen über Karakorum, Baltoro und Hidden Peak
vermittelt wird, zumal dies einer guten Tradition in den Buchprojekten
über die Berge des Himalaya entspricht. Ich bin gerne seiner
diesbezüglichen Anfrage gefolgt und habe einige Kapitel ergänzt, die
im Anhang des Buches zu finden sind:
- Gehört der Karakorum zum Himalaya?
- Irritationen um Namen und Höhenangaben
- Politische Wirren und Kriege im Karakorum
- Karakorum - eine Übersicht über die Topographie
- Baltoro - topographische Übersicht und Erstbesteigungen
- Baltoro - die Geschichte seiner Erkundung
- Gasherbrum I (Hidden Peak) – die wichtigsten Besteigungen oder Besteigungsversuche
- Sogenannte "Erscheinungen" in Berichten über Besteigungen
der Achttausender
- Von den Achttausendern erkennt man die Erdkrümmung
Der Autor verfügt über eine eigene
Website: http://www.alpin-extrem.de
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Reinhold Messner:
Die rote Rakete am Nanga Parbat
Piper Verlag GmbH, München 2010
ISBN 978-3-89029-373-8
Gebunden, 304 Seiten, viele s/w-Fotos
Format: 130 x 210 x 30 mm, 495 Gramm
Preis: Euro 19,95 |
"Die rote
Rakete am Nanga Parbat. Drehbuch zu einem Film, der nie gezeigt
werden kann" wurde erstmals 1971 aufgelegt. Da sich der Leiter der
Nanga Parbat-Expedition von 1970, Karl Herrligkoffer, per Vertrag mit den
Expeditionsteilnehmern die alleinigen Veröffentlichungsrechte gesichert
hatte, musste Reinhold Messner sein Buch kurz nach Erscheinen
zurückziehen. Heute ist er nicht mehr an dieses Gerichtsurteil
gebunden.
Der Originaltext dieses frühen Buches,
in dem R. Messner die dramatischen Ereignisse der Erstbesteigung des
Nanga Parbat über die Rupalwand im Jahr 1970 schildert, ist auch
Hauptbestandteil dieses neuen Buches. Die ursprüngliche Form als Drehbuch
wurde beibehalten. Damit vermeidet Messner, alles in Ich-Form
beschreiben zu müssen. In den Text sind Dialoge der Messner-Brüder eingeflochten sowie - als eine spezielle Ebene der
Darstellung - die persönliche Sicht des Reinhold Messner, hier in
Ich-Form.
Im Vorwort
unter der Überschrift "Die Wahrheit ist kein Kompromiss"
setzt sich Messner mit dem Zwist zwischen ihm und einigen anderen
Expeditionsteilnehmern sowie dem Deutschen Alpenverein auseinander, der
nunmehr schon seit 40 Jahren besteht. Man hatte eigentlich erwartet,
dass dieser mit dem Auffinden der sterblichen Überreste von Günther
Messner am Diamir-Gletscher im Jahr 2005 beendet worden wäre, da damit
die Schilderungen von Reinhold Messner bestätigt und die Vorwürfe
seiner Gegner widerlegt waren. Dennoch und trotz gerichtlicher
Bestätigungen von Messners Darstellungen lassen seine Gegner nicht von
dem Vorwurf ab, er hätte seinen Bruder seinem Ehrgeiz geopfert.
Unlängst zeigte man angebliche Dokumente Messners, in denen er sogar
selbst das beschrieben haben soll, was seine Gegner behaupten. Dazu
stellt Messner in seinem Vorwort fest: "Auch
die Behauptung, ich hätte "den Bruder dem Ehrgeiz geopfert",
basiert auf einer Fälschung. Denn das Tagebuch, das dazu abgedruckt
wurde, gibt es im Original nicht, und die dazugefügte Seite, in der ich
als Kronzeuge gegen mich selbst zitiert werde, ist eine Erfindung. Der
Text ist frei erfunden, falsch datiert und in seiner Böswilligkeit
unverzeihlich." Weiter sagt er dazu: "Hemmungslos wurde im
Namen der Wahrheit gefälscht und gefälschtes abgedruckt, anklägerisch
die "Kameradschaft" beschworen, um einen "Kameraden"
mit einer abgesprochenen Lügengeschichte zu diskreditieren." Die
17 Seiten des Vorworts sind Anklage und Begründung für die Neuauflage
des Buches mit seinen Ergänzungen.
In dem Text von 1971
werden die wichtigen Episoden der Expedition aus ganz persönlicher
Sicht von Reinhold Messner unter Verwendung von Tagebucheinträgen
seines Bruders Günther dargestellt. Es ist ein fesselnder Bericht der
sich nach und nach zum Drama entwickelnden Ereignisse. Eine Farbrakete
soll den hoch oben am Berg befindlichen Bergsteigern signalisieren, ob
gutes oder schlechtes Wetter vorhergesagt ist. Es ist gutes Wetter
angesagt, doch Herrligkoffer lässt eine rote Rakete abschießen -
Zeichen für schlechtes Wetter. Ob es ein Versehen war oder nicht,
darüber wurde später heftig gestritten. Auf jeden Fall war es für
Reinhold Messner das vereinbarte Zeichen für einen schnellen
Solovorstoß zum Gipfel, bevor das Wetter umschlug. Ohne dass er es
ahnte, folgte ihm einige Stunden später sein Bruder Günther, holte ihn
in einem Gewaltakt noch vor dem Gipfel ein. Es folgte ein Odyssee mit
Biwak unterhalb des Gipfels, der Erkenntnis, dass ein gemeinsamer
Abstieg durch die Rupalflanke ohne Seil und bei dem geschwächten
Zustand von Günther nicht mehr möglich war, und dem verzweifelten
Abstieg durch die zwar gefährliche, aber technisch leichtere
Diamir-Wand. Am Fuß der Wand verlor der vorausgehende Reinhold seinen
Bruder aus den Augen, bei der Rückkehr nach längerem Warten fand er
nur noch einen frischen Kegel einer niedergegangenen Eislawine. Mit
schweren Erfrierungen und fast verhungert kam er nach mehreren Tagen im
Tal an, wo er auch wieder auf die anderen Expeditionsteilnehmer traf. Es
war mit Sicherheit eines der dramatischsten und leidensvollsten
Abenteuer, das ein Mensch im Himalaya erlebt hat, von dem damals noch
jungen Autor eindrücklich beschrieben.
Mit den zahlreichen neu
hinzugefügten Zitaten, die auf den vielen neuen Bildseiten zu finden
sind, versucht Messner eine Grundlage zu vermitteln, auf der der Leser
sich selbst ein Urteil über Wahrheit und Verhaltensweisen in dem schon
40 Jahre andauernden Zwist bilden kann. Darunter befinden sich viele
Zitate aus den Expeditionstagebüchern seiner damaligen
"Kameraden" und des Expeditionsleiters. Mit eigenen Zitaten
streut er seine Gedanken aus heutiger Sicht ein. Der Leser sollte alle
Zitate also sorgfältig und in Zusammenhang mit den Ausführungen im
Vorwort bewerten - eine durchaus interessante Herausforderung in diesem
Buch.
Stuttgart, den 05. Februar 2010
Der Autor verfügt über eine eigene
Website: http://www.reinhold-messner.de
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Mount Everest - Nanga Parbat - Dhaulagiri
mit Dieter Porsche
Verlag Pietsch, Stuttgart 2009
ISBN 978-3-613-50611-4
Gebunden, 256 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 268 x 297 x 22 mm, 1650 Gramm
Preis: Euro 49,90
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Dieser
großformatige Bildband von Dieter Porsche darf im Bücherschrank der
Freunde der Bergwelt nicht fehlen! Mit insgesamt 425 (!) meist großformatigen
Fotos dokumentiert der Autor die Anmarsch- und Aufstiegsrouten an drei
Achttausendern:
- auf den Dhaulagiri I
(8167 m) durch das Myagdi-Tal und über den Nordostgrat,
- auf den Nanga Parbat (8125 m) durch das Diamir-Tal und über die
Diamir-Flanke,
- auf den Mount Everest (8850 m) von Lukla durch den Khumbu-Eisbruch und
über den
Südostgrat.
Dieter Porsche, der bis jetzt u.a. die Gipfel von 8
Achttausendern erreicht hat, ist stets mit einer Spiegelreflexkamera und
mehreren Objektiven unterwegs. Er legt größten Wert auf gute Fotos und
eine möglichst lückenlose Dokumentation der Routen - vom Tal bis zum
Gipfel. Er nimmt damit eine erhebliche zusätzliche Last auf sich –
nicht nur die des schwereren Rucksacks: Fotografieren bedingt
zusätzliche Aufmerksamkeit, Blickschärfe und Zeit – Zeit, die am
Berg im Interesse des Überlebens nicht verschwendet werden darf. Aber
diese selbstgestellte Aufgabe ist auch seine zusätzliche Motivation auf
dem Weg zum Ziel und liefert vor allem Ergebnisse, von denen wir, die
Leser, auch etwas haben. Und so präsentiert der Bildband die
Routen an den drei genannten Achttausendern in perfekter Weise, selbst
wenn es noch so schwer war, an den Steilflanken eine geeignete Position
für ein übersichtliches Foto einzunehmen. Mögen die Positionen auch
noch so schwierig und die Lichtkontraste auch noch so groß gewesen
sein: das Foto ist gelungen! Wenn man sich klar macht, welche Energie
erforderlich ist, um trotz der ohnehin schon extrem hohen physischen und
psychischen Belastung und trotz der oft widrigen Witterungsverhältnisse
immer wieder den Fotoapparat herauszuholen und mit eisigen Fingern auch
noch exzellente Fotos zustande zu bringen, muss man dem Autor größte
Hochachtung für dieses hervorragende Arbeitsergebnis entgegenbringen.
Die jeweils einleitenden Übersichtsfotos mit eingezeichnetem
Routenverlauf und Camps, die chronologische Ordnung der Bilder im Auf
und Ab am Berg sowie die "erzählenden"
Bildunterschriften tragen ein Übriges dazu bei, dass sich der Leser und
Betrachter wirklichkeitsnah in das Bergabenteuer hineinversetzen kann
und den Überblick darüber behält, wo sich der Fotograf gerade in
welchem Zusammenhang befindet. Da tut es dem Ganzen keinen
Abbruch, wenn der Autor am Everest-Südgipfel auf 8754 m Höhe umkehren
musste, weil der Expedition die Seile zur weiteren notwendigen Sicherung
am Südostgrat ausgegangen waren. Zusätzlich zu diesem sehr
umfangreichen Bildtteil sind die drei Berge mit ihren wesentlichen
Merkmalen sowie ihrer Geschichte der Erschließung und der Höhepunkte
der Besteigungen in übersichtlicher Form beschrieben.
Eine solche Art der Bild-Dokumentation
der Routen ist in der Bergliteratur nahezu einmalig. Zumindest für die
Routen am Nordostgrat des Dhaulagiri I und an der Diamir-Flanke des
Nanga Parbat ist mir kein anderes Werk mit auch nur annähernd
vergleichbarer Qualität und Vollständigkeit bekannt. Auch deshalb ist
das Buch so wertvoll - für alle Bergbegeisterten, gleich ob aktiv oder
passiv. Für den Bergsteiger mit konkreten Besteigungsabsichten ist das
Buch ohnehin ein "Muss".
Stuttgart, den 18. Oktober 2009
Der Autor verfügt über eine eigene
Website: http://www.alpin-extrem.de
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Dieter Porsche:
Der Weiße Berg
Überlebenskampf am Dhaulagiri
Verlag Pietsch, Stuttgart 2009
ISBN 978-3-613-50610-7
Gebunden, 256 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 150 x 225 x 22 mm, 675 Gramm
Preis: Euro 19,95
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Dieses
Buch von Dieter Porsche ist der persönliche Erlebnisbericht des Autors
von seiner Besteigung des Dhaulagiri I (8167 m) im April/Mai 2003 -
chronologisch geordnet von Tag zu Tag vom Abflug in München bis zu den
abschließenden Klinikaufenthalten in Innsbruck und Tübingen. Das
Bergabenteuer endete tragisch - zwar ohne Opfer von Leben, aber doch mit
schweren Erfrierungen an den Fingern des Autors und Amputationen an den
Händen und Füßen seines Freundes.
Der Anmarsch und die
Einrichtung der ersten Lager am siebthöchsten Berg der Erde verlief
unter den am Dhaulagiri üblichen schwierigen Wetterverhältnissen. Im
Jahr 2003 war es allerdings besonders schlimm; so wurde z.B. der Gipfel
des Everest ebenfalls nicht vor dem 20. Mai erreicht. Immer wieder
wurden die Bergsteiger von den Wetterkapriolen zurück ins Basislager
getrieben. Der Termin für die Rückreise musste verschoben werden, um
nicht bereits vorzeitig aufgeben müssen. Schließlich erfolgte der
Gipfelanstieg am 20. Mai vom letzten Hochlager auf 7400 m Höhe aus. Über
steile Schnee-Couloirs und Felsgrate erreichten der Autor und einige
andere Bergsteiger den Gipfel. Beim Abstieg vom Gipfelgrat stürzte dann
sein Freund unerwartet ab, riss einen weiteren Bergsteiger mit sich, überschlug
sich mehrfach und kam erst nach einer Schussfahrt von etwa 600 m durch
das steile Schnee-Couloir zum Halten - knapp vor einem steilen Abbruch.
Geschockt stiegen die Kameraden zu den Verunglückten ab. Außer
Prellungen schienen keine äußeren Verletzungen vorhanden zu sein, der
Freund des Autors zeigte aber bald ein merkwürdiges Verhalten, dessen
Ursachen unklar waren. Der Rückweg zum obersten Lager gestaltete sicher
immer schwieriger, bis man schließlich in die Nacht kam. Erst im Laufe
der Nacht wurde das Lager erreicht, nicht aber vom Autor selbst, der
sich vorher wegen der drohenden Absturzgefahr zu einem Biwak im Freien
entschlossen hatte. Er überlebte die extrem kalte Nacht, womit seine
Kameraden im Hochlager gar nicht mehr gerechnet hatten. Erfrierungen an
den Händen und unerklärliche weitere Probleme des Körpers machten den
weiteren Abstieg zur Tortur. Für seinen Freund war alles in Anbetracht
der schwereren Erfrierungen noch schlimmer. Ein Rettungshubschrauber zum
Basislager war schließlich der letzte Ausweg, ärztliche Versorgung ließ
aber noch bis zum Eintreffen in der Fachklinik in Innsbruck auf sich
warten. Ein Martyrium am Ende eines zunächst vom Gipfelerfolg gekrönten
Unternehmens.
Auch dieses Buch
enthält sämtliche (151) Bilder zum Dhaulagiri aus dem vorstehend
beschriebenen Bildband von Dieter Porsche - wenn auch in kleinerem
Format. Auch dieses Buch ist also schon alleine durch die zahlreichen
guten Bilder eine hervorragende Dokumentation der Aufstiegsroute. Mit
Expeditionsbericht und ausführlicher Fotodokumentation vermittelt das
Buch ein umfassendes Bild - auch für diejenigen gut verständlich, die
weder über Ortskenntnis noch über Expeditionserfahrung verfügen. Dabei helfen auch hier die einleitenden Übersichtsfotos
mit eingezeichnetem Routenverlauf und Camps und die chronologische
Ordnung der Bilder im Kontext mit dem Text. Der Leser und Betrachter
kann sich leicht und wirklichkeitsnah in das Bergabenteuer
hineinversetzen und behält den Überblick darüber, wo sich der Erzähler
und Fotograf gerade in welchem Zusammenhang befindet. Zusätzlich
ist auch hier der Berg mit seinen wesentlichen Merkmalen sowie seiner
Geschichte der Erschließung und der Höhepunkte der Besteigungen in übersichtlicher
Form beschrieben.
Da es zum Dhaulagiri nach dessen Erstbesteigung 1960 nahezu keine
Literatur gibt und - abgesehen von dem vorstehend beschriebenen Bildband
- keine Bilddokumentation in diesem Umfang und in dieser Qualität, ist
dieses Buch von Dieter Porsche eine beachtenswerte und preiswerte
Bereicherung des privaten Bücherschrankes.
Der Autor pflegt
einen eher nüchternen, sachlichen Berichtsstil. Ich persönlich hätte
mir etwas mehr Emotionen in der Erzählung gewünscht und - zur
Auflockerung - auch ein Eingehen auf die kleinen Ereignisse des Alltags,
die Freuden und Probleme - in der Expeditionsgemeinschaft, aber auch im
ganz persönlichen Bereich. Diese Emotionalität klingt beim Autor erst
an, als sich die Ereignisse zur Dramatik steigern. Man muss akzeptieren,
wenn dieses "Sich-Öffnen" nicht in der Natur des Autors eines
Bergbuches liegt. Er könnte seine Erlebnisse dann höchstens einem
schriftstellerisch begabten Freund schildern, damit dieser Ereignisse
und persönliches Empfinden in Kenntnis der Persönlichkeit des
Bergsteigers zu einer literarischen Einheit formt. Aber wer hat schon
diese Möglichkeit? Manch anderer Leser wiederum mag es so, wie er es in
diesem Buch vorfindet.
Stuttgart, den 18.Oktober 2009
Der Autor verfügt über eine eigene
Website: http://www.alpin-extrem.de
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Jochen Hemmleb:
Tatort Mount Everest - Der Fall Mallory
Neue Fakten und Hintergründe
Terra magica, Belser Reich Verlags AG, 2009
ISBN 978-3-7243-1022-8
Gebunden, 271 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 180 x 246 x 24 mm, 950 Gramm
Preis: Euro 24,95
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Der Autor Jochen
Hemmleb beschäftigt sich schon seit langer Zeit mit dem Schicksal von
George Leigh Mallory und Andrew Irvine, die bei ihrem Besteigungsversuch
des Mount Everest zum letzten Mal am 8. Juni 1924 lebend gesehen
wurden. Hemmleb nahm an zwei Suchexpeditionen in den Jahren 1999 und
2001 teil und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der Leichnam von
Mallory am 1. Mai 1999 auf 8155 m Höhe gefunden wurde. Weitere
Recherchen führten Hemmleb u.a. nach Peking zum Treffen mit Veteranen
der chinesischen Expeditionen aus den Jahren 1960 und 1975. Zwei
Buchveröffentlichungen gingen der vorliegenden neuesten Aufarbeitung
voraus (siehe : Everest-Geschichte
zum Jahr 1999).
Dieses neue Buch fasst alle wesentlichen
Ereignisse, Aussagen und Erkenntnisse bis zum heutigen Tag zusammen, vom Fund des
Eispickels von Irvine im Jahr 1933 über die Andeutung eines
chinesischen Bergsteigers aus dem Jahr 1979 zu einem "englischen
Toten" auf etwa 8200 Meter Höhe bis zu den jüngsten Aussagen von
Zeugen,
die einen weiteren Toten hoch oben am Nordostgrat gesehen haben wollen.
Hemmleb entwickelt zunächst den logischen Weg von der vagen Andeutung
aus dem Jahr 1979 über sorgfältige Analysen von Berichten und
Geländefotos bis zum Fund des Leichnams von Mallory im Jahr 1999 - eine
Weltsensation! Dieser Fund
warf aber mehr Fragen auf als er beantwortete. Bei der Suchexpdeition im Jahr
2001 fand man das
höchste Lager von 1924, gewann aber keine wesentlichen neuen
Erkenntnisse darüber, was 1924 passiert sein könnte.
Hemmleb stellt in seinem neuen Buch alle
wichtigen Ereignisse von der Erkundungsexpedition 1921 bis zur
Suchexpedition 2001zusammen und dokumentiert die Routen und Fundorte in
sorgfältig ausgearbeiteten beschrifteten Fotoansichten der Nordflanke
des Everest. Gerade diese graphischen Aufarbeitungen verdeutlichen, wie
weit Vermutungen gehen können und was als unwahrscheinlich anzusehen
ist. Diese Grafiken sind eine wichtige Grundlage für weitere
Überlegungen. Die historischen Berichte sind in direktem Zusammenhang mit den
aktuellen Funden und Analysen so eingeflochten, dass der Leser den Bezug
zwischen ursprünglichem Geschehen und späteren Entdeckungen begreift.
In den ersten zwei Dritteln des Buches gelingt Hemmleb auf diese Weise
eine sachliche und nachvollziehbare Dokumentation, die als Grundlage
für weitere Untersuchungen geeignet erscheint.
Verwunderlich und schade ist, dass Hemmleb dann
diese klare Linie der Sachlichkeit und Objektivität verlässt. Bei der
Frage, ob Mallory und Irvine den Second Step überwunden haben können,
stellt er noch sachlich korrekt fest, dass es in dieser Hinsicht zwar Meinungen, aber keine Beweise gibt.
Dennoch folgt er dann nur noch seiner
Wunschvorstellung, dass M & I dieses Hindernis überwunden haben.
Die bekannten Bergsteiger und Skeptiker kritisiert er ausführlich in ihrer
negativen Beurteilung der Möglichkeit und versucht, sie
unglaubwürdig zu machen. Die Berichte von zwei anderen Bergsteigern
hingegen, die er nicht persönlich kennt und deren Aussagen er per Mail
entgegengenommen hat, übernimmt er ungeprüft und unkritisch als nicht anzuzweifelndes
Indiz für die Richtigkeit seiner Hypothese (Seiten 173 bis 186). Nichts
gegen Hypothesen: Sie sind hilfreich, weil sie den Blick erweitern, wo
nach welcher Art Spuren gesucht werden sollte. Eine zum Dogma erhobene
Hypothese jedoch verstellt den Blick, verführt zu Manipulationen und
endet schließlich in falschen Urteilen. Auf den Seiten
201 bis 213 stellt sich der Autor dann unübersehbar ins Abseits
- zumindest aus Sicht eines rational denkenden Menschen. Dort bemüht er die Aussagen eines
"Mediums" aus einer Fernwahrnehmungssitzung zur Stützung
seiner Hypothese. Er war nicht selbst dabei, sondern hat die Aussagen
von "seiner
Quelle", die er natürlich nicht benennt, per Mail (!) erhalten. Das
(unbekannte) Medium hatte angeblich keinerlei Wissen über Mallory und Irvine und den
Everest, "sah" aber sämtliche drei Graterhebungen und den
Gipfel und hatte den Eindruck, "dass beide Personen die beiden
ersten untergeordneten Erhebungen erreichten, aber nur eine die dritte -
die Person, deren Namen mit >M< beginnt. Keine erreichte den
vierten oder schwierigsten Gipfel". Dass der Autor auch noch
betont, dass er und "seine Quelle" solchen Séancen durchaus
skeptisch gegenüberständen, macht alles noch schlimmer! Die Betonung
der eigenen Zweifel soll alles noch glaubhafter erscheinen lassen. Sein
Glaube und seine Leichtgläubigkeit seien dem Autor unbenommen, aber er
darf sich nicht wundern, wenn ihm der Leser jetzt nicht mehr folgen kann
und will.
Damit entwertet Hemmleb leider
auch seine
vorherigen Arbeitsergebnisse, die ja weitestgehend auf soliden Recherchen
beruhen und durchaus als Grundlage für weitere Untersuchungen dienen
können. Besondere Skepsis ist nun auch angebracht gegenüber seinen
Vorgehensweisen und Folgerungen im Hinblick auf einen zweiten "alten" Toten hoch
oben am Nordostgrat. Diesen Leichnam (evtl. Irvine) mag es dort geben
oder gegeben haben - oder auch nicht. Tatsache ist (lt. Hemmleb), dass der Zeuge aus
dem Jahr 1960 erstmals 2001 überhaupt von seinem "Fund"
berichtete und mehrfach einen Fundort
angab, der nicht stimmen konnte. Tatsache ist (lt. Hemmleb), dass der Autor dem Zeugen
"seinen" Wunschfundort in suggestiver Weise nahe legte und
diesen schließlich wunschgemäß bestätigt bekam. Genau dasselbe
wiederholte sich lt. Hemmleb sieben Jahre später. Tatsache ist weiterhin,
dass ein zweiter Zeuge von 1995 vom Autor nicht befragt wurde und dessen
Aussagen aus der Quelle everestnews.com
stammen - einer Quelle, die in Sachen Mallory & Irvine mehrfach
durch absolut unseriöse Berichte aufgefallen ist. Tatsache scheint auch
zu sein,
dass dieser zweite Leichnam bei einer gezielten Suche nicht gefunden wurde.
Dennoch behandelt Hemmleb den Fund Irvines an genau der einen Stelle als
so gut wie gegeben. Entsprechend baut er seine Hypothese aus, bei der man sich aber
zunehmend fragt, durch was diese eigentlich gestützt wird.
Nebenbei fragt man sich auch, ob das
Ausbreiten seiner Privatfehde mit Reinhold Messner vor der
Öffentlichkeit der
Wahrheitsfindung dient.
Aber Hemmleb ist überzeugt, ja er
spricht sogar fast allen anderen Meinungen jegliche Bedeutung ab (Seite 229).
Dass
eine für 2009 geplante erneute Suchexpedition nach Irvine (merkwürdig
begründet) nicht stattfinden konnte, ist für ihn nicht mehr von
Bedeutung. Er, der einzig kompetente Ermittler weiß
auch so, was geschehen ist. Der Welt muss er nichts mehr beweisen,
höchstens noch sich selbst (Seite 235). Auf den letzten Seiten des
Buches kommt eine Grundhaltung gegenüber anderen zum Ausdruck, die
nicht gerade einnehmend wirkt und nun doch Zweifel an der Eignung des
"Ermittlers" Hemmleb aufkommen lässt - trotz des Erfolges
seiner Arbeit im Jahr 1999.
Schade, dass das Buch nicht so gut
aufhört wie es begonnen hat.
Stuttgart, den 21. November 2009
Der Autor verfügt über eine eigene
Website: http://www.jochenhemmleb.com/german/home/index.php
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Charlotte
Jacquemart
Marcel Rüedi - ein Winterthurer im Himalaja
Zehn Achttausender dank Gerda SAC,
Sektion Winterthur
Rosch-Verlag, Pfäffikon, 2009
ISBN 3-908022-50-9 Gebunden,
192 Seiten, Farbfotos
Format: 171 x 241 mm, 700 Gramm Preis:
Euro 30,00 ( Fr. 45,00) Bestellmöglichkeiten: mail@sailerdruck.ch
(Sailer Druck GmbH, CH - 8402 Winterthur)
oder
greulalpin@t-online.de
(Hans-Dieter Greul, D - 60529 Frankfurt) |
Die Autorin
Charlotte Jacquemart ist eine Freundin der Familie des Schweizer Bergsteigers Marcel Rüedi, der im Jahr 1986 am Makalu, seinem zehnten
Achttausender, ums Leben kam. Die Journalistin hat für diese gelungene
Biografie Tagebücher von Marcel Rüedi ausgewertet, Gespräche
mit der Witwe und den Töchtern sowie vielen Wegbegleitern von
Marcel Rüedi geführt, die Archive der Zeitungen und Zeitschriften
durchsucht und die Literatur zur Besteigungsgeschichte des Himalaya aus
der betreffenden Zeit ausgewertet. Mit all diesen Informationen geht die
Autorin im Interesse des Lesers sehr verantwortungsbewusst um, d.h. sie
verzichtet auf nicht belegte Ausschmückungen und persönliche
Interpretationen und gibt so dem Leser die Möglichkeit, sich selbst ein
möglichst unverfälschtes Bild von Marcel Rüedi zu machen. Trotzdem -
oder vielleicht gerade dadurch - baut sich vor dem Auge des Lesers eine
spannende und vor allem nachvollziehbare Lebensgeschichte auf, denn der
Mensch Marcel Rüedi bot mit seiner unbändigen Leidenschaft für
Familie, Beruf und Bergsteigen und allen daraus resultierenden
Konflikten ohnehin genügend Stoff für eine an dramatischen Elementen
reiche Biografie bis hin zu seinem tragischen Ende.
Marcel Rüedi muss im Vergleich zu manch
anderer bergsteigerischer Berühmtheit als Amateur bezeichnet werden.
1938 in Winterthur als Sohn eines Metzgers geboren, verbringt er seine
Kindheit und Ausbildungszeit ohne jegliche Berührung mit dem Sport des
Bergsteigens. Er wird Metzger, kann aber selbst kein Tier töten. Er
verbringt mehrere Jahre im Ausland, lernt dort seine Frau Gerda kennen,
und kehrt schließlich 1964 nach Winterthur zurück, um den väterlichen
Betrieb zu übernehmen, der bald viele Angestellte und Aushilfskräfte
beschäftigt. 1965 und 1969 werden die beiden Töchter geboren.
Insgesamt also ein gutes Umfeld, aber mit viel Arbeit und wenig
Freizeit. Diese knappe freie Zeit widmet er ausschließlich der Familie.
Erst 1970, also mit 32 Jahren, kommt er über einen Freund in Kontakt
mit dem Bergsteigen, das schnell neben Familie und Beruf zur dritten
Leidenschaft wird.
Schon in diesem einleitenden Kapitel
gelingt es der Autorin, ein Spannungsfeld aufzubauen, in dem der Leser
erahnen kann, dass ein Lebensabschnitt folgen wird, in dem die neue
Leidenschaft Konflikte und Gefahren heraufbeschwören könnte. Und so
kommt es auch. Schon bei seiner ersten Himalaya-Expedition zum
Dhaulagiri I im Jahr 1980 bringt er sich in Lebensgefahr, weil er viel
zu schnell aufsteigt und dem Körper keine Zeit für die
überlebenswichtige Akklimatisation gibt. Auch bei seinen folgenden
Expeditionen bringt er sich immer wieder in große Gefahr, weil er zu
sehr darauf vertraut, mit seinen unbändigen Körperkräften alle
Probleme bewältigen zu können. Er ist bald bekannt dafür, mit seiner
Kraft und seinem Willen auch dort noch durchzukommen, wo andere
aufgeben. Und er ist ein beliebter Expeditionskamerad, der immer
bereitwillig hilft und ermuntert. Er selbst aber leidet auf den
Expeditionen unter den langen Trennungen von seiner Familie. Dem
Dhaulagiri I folgt die Expedition von 1983, bei der Marcel innerhalb von
drei Wochen auf den Gipfeln der drei Achttausender Gasherbrum II,
Gasherbrum I und Broad Peak steht - ein aufsehenerregender Erfolg! 1984
folgen Manaslu und Nanga Parbat, 1985 K2 und Shisha Pangma. Er ist
schnell auf seinen Aufstiegen, sehr schnell! Aber immer wieder auch
überschreitet er Grenzen, wo die Vernunft zur Umkehr raten müsste. Am
K2 wühlt er sich bei schlechtem Wetter sechs Tage lang durch
lawinengefährlichen Tiefschnee zum Gipfel. Sein Freund Norbert Joos
verliert bei diesem Abenteuer sämtliche Zehen durch Erfrierung.
Wer diese Kapitel aufmerksam liest und
einigermaßen um die Gefahren des Höhenbergsteigens und erforderliche
Vorsichtsmaßnahmen weiß, wundert sich über einen an sich nicht mehr
zu rechtfertigenden Wagemut. Die schnellen Erfolge scheinen ihn ermutigt
zu haben, mit Reinhold Messner und Jerzy Kukuczka ein Wettrennen zu
eröffnen, wer der erste Mensch mit allen 14 Achttausender sein wird.
Nur: diese beiden bereiten ihre Unternehmungen bedächtiger vor und
führen sie vorsichtiger durch. Marcel Rüedi hat weder die Mittel noch
die Zeit dazu, und versucht es trotzdem. Nach der Bezwingung des Cho Oyu
im Mai 1986 unter haarsträubenden Witterungsbedingungen hetzt er im
September desselben Jahres zum Makalu, seinem 10. Achttausender. Zusammen
mit dem an sich höhenerfahrenen Mediziner Oswald Oelz steigt er ohne
Unterbrechung bis auf 7000 m Höhe, wo Oelz an einem lebensbedrohenden
Höhen-Lungenödem erkrankt und absteigen muss. Marcel Rüedi schlägt
dieses Indiz für eine völlig unzureichende Höhenanpassung des
Körpers in den Wind. Er geht zwar zunächst hinunter ins Basislager,
befindet sich aber kurz danach schon wieder im Aufstieg zum Gipfel -
trotz der Warnung von Oswald Oelz. Ausgerechnet Messner befindet sich
auch am Berg, um dort seinen 13. Achttausender zu besteigen. Und so
kommt es zum fast vorhersehbaren tragischen Ende: Marcel Rüedi erreicht
den Gipfel am 24. September in der Abenddämmerung und steigt in der
Nacht ab. Am nächsten Morgen beobachten ihn Reinhold Messner und
Kameraden mit dem Fernglas vom Makalu La aus. Er verschwindet hinter
einer Bodenwelle und taucht nicht mehr auf. Am nächsten Tag finden sie
ihn auf 7800 m Höhe tot im Schnee sitzend, knapp unterhalb des Zeltes.
Das Buch ist die Biografie eines
liebenswerten Menschen, aber auch eines Besessenen, der keine Pausen der
Muße kannte, der manche Grenze der Vernunft überschritt, der vieles
seiner Leidenschaft des Höhenbergsteigens opferte, zu viel und zuletzt
sein eigenes Leben sowie das Glück seiner Familie.
Stuttgart, den 28. Februar 2010
Hier finden Sie
die Website über Marcel Rüedi: http://www.marcel-rueedi.ch
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Reinhold Messner:
Diamir - König der Berge
Schicksalsberg Nanga Parbat
Frederking & Thaler Verlag GmbH, München, 2008
ISBN 978-3-89405-708-4
Gebunden, 292 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 269 x 297 x 27 mm, 2100 Gramm
Preis: Euro 39,90
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Ist dieses
"gewichtige" Buch ein opulenter Bildband? Ist es eine
Aufarbeitung der Geschichte und wesentlichen Ereignisse am
"Schicksalsberg" der Deutschen? Beide Fragen kann man ohne
Zögern mit "Ja" beantworten. Für den Autor Reinhold Messner
hat das Wort "Schicksalsberg" stets eine vielfältige und auch
sehr persönliche Bedeutung.
Für die deutsche Nation wurde der Nanga
Parbat zum Schicksalsberg, weil die "Eroberung" des Gipfels
zur heroischen Aufgabe des Nationalsozialismus erklärt wurde und der
Berg in den Jahren 1934 und 1937 fürchterliche Opfer forderte. Aber
auch noch bei der Erstbesteigung 1953 wurde die sog.
Bergsteigerkameradschaft in einer Art beschworen, die dem Autor zu Recht
ein Dorn im Auge ist. Für Reinhold Messner ist der Nanga Parbat aber
auch ein Schicksalsberg aus ganz persönlicher Sicht, verlor er doch
hier seinen Bruder Günther nach der Besteigung des Nanga Parbat über
die Rupalflanke im Jahr 1970. Diesem Ereignis folgten äußerst
unerfreuliche Auseinandersetzungen und wilde Anschuldigungen, die auch
heute noch nicht als gänzlich abgeschlossen betrachtet werden können.
Es war für Messner unumgänglich, diese "Seite" des Berges
auch in diesem Buch aufzugreifen. 2003 war die Anschuldigung erhoben
worden, er hätte seinen Bruder am Gipfel im Stich gelassen und in die
Rupalwand zurückgeschickt. Mit dem Auffinden des Leichnams seines
Bruders im Jahr 2005 am Diamir-Gletscher war aber dann sein Bericht von
1970 bestätigt. So, wie die Vorwürfe gegen ihn in der Öffentlichkeit
- u.a. in Form von Buchveröffentlichungen - erhoben worden waren, ist
es jetzt richtig und unvermeidlich, dass auch die Aufklärung des
Sachverhalts in entsprechender Form für die Öffentlichkeit erfolgt.
Diejenigen, die unbewiesene Behauptungen in den Raum gestellt haben,
müssen diese Entgegnung ohne wenn und aber hinnehmen. Man muss aber
auch akzeptieren, dass manche Verletzungen Narben hinterlassen haben und
Erinnerungen nicht einfach getilgt werden können. Den Beteiligten
wünscht man, dass sie nunmehr zumindest die Auseinandersetzungen
beenden können.
Dieser ganz persönliche Teil der
Geschichte des Berges ist Gegenstand der Beschreibungen aus den Jahren
seiner beiden Besteigungen in den Jahren 1970 und 1978, aber auch der
Jahre 2003 und 2005. Generell wird die Geschichte des Nanga Parbat in
chronologischer Reihenfolge dargestellt - wie bei Messner üblich unter
Auswahl bestimmter Ausschnitte und möglichst unter Verwendung der
Berichte und Zitate von direkt Beteiligten, beginnend mit Mummery im
Jahr 1895. Da Schönfärberei Messners Sache nicht ist, stellt er auch
das Jahr der Erstbesteigung 1953 als das dar, was es war: Das Jahr des
bergsteigerischen Erfolges eines Einzelnen, aber auch das Jahr der
Zwietracht zwischen Expeditionsteilnehmern. Die Besteigung der
Rupalflanke über eine neue Route im Jahr 2005 durch zwei Amerikaner,
für die beiden Alpinisten mit dem "Piolet d'Or" ausgezeichnet
wurden, ist der letzte Teil der
bergsteigerischen Chronologie.
Über sein umfangreiches Bildmaterial ist
das Buch von hohem dokumentarischem Wert. Viele spektakuläre
Luftaufnahmen des pakistanischen Fotografen Pervez Khan vermitteln einen
hervorragenden Überblick von allen Himmelsrichtungen und geben
Einblicke in viele Details der Flanken des riesigen Berges. Bei der
Deutung von Details ist die auf der Innenseite der Buchdeckel
abgedruckte Karte hilfreich. Hier sind auch die wichtigsten
Besteigungsrouten eingetragen. Die Luftbilder, aber auch viele andere
Aufnahmen sind im Großformat jeweils über zwei Seiten des Bandes
abgedruckt - also wirklich sehr groß! Zu jeder der beschriebenen
Expeditionen findet man aussagekräftige Bilder der jeweiligen
Ereignisse, sogar Raritäten von der Expedition Mummery's aus dem Jahr
1895. Insgesamt ist das Bildmaterial ein riesiger Fundus, um die Gestalt
des Berges und die Problematik seiner Besteigungen von den verschiedenen
Seiten zu erfassen und zu begreifen. Das historische Bildmaterial
vermittelt einen guten Eindruck von den Begleitumständen der jeweiligen
Zeit.
Ein umfangreiches Quellenverzeichnis
hilft, sich weiter zu informieren.
Stuttgart, den 21. November 2009
Der Autor verfügt über eine eigene
Website: http://www.reinhold-messner.de
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