Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

Mount Everest, K2, Kanchenjunga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri I, Manaslu, Nanga Parbat, Broad Peak, Annapurna I, Gasherbrum, Shisha Pangma und viele andere

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Buch-Neuerscheinungen

Anmerkungen:

Hier finden Sie meine Rezensionen zu neu erschienenen Büchern, welche die Bergwelt des Himalaya als inhaltlichen Schwerpunkt haben und in dieser Hinsicht von besonderem dokumentarischem Wert sind. Ich befasse mich nicht mit Büchern, deren Inhalte sich hauptsächlich mit den Völkern, den Religionen sowie mit Flora und Fauna des Himalaya beschäftigen. Ich befasse mich auch nicht mit der üblichen Reiseliteratur für den Tourismus. Sie dürfen mir hier gerne per E-Mail Hinweise auf weitere Neuerscheinungen geben - möglichst mit genauen Angaben für den Erwerb. Ich werde mich dann um diese Bücher bemühen, sofern sie "meiner" Thematik entsprechen. Bei Büchern aus Quellen außerhalb des deutschsprachigen Raumes kann ich nur englischsprachige Werke berücksichtigen und dies auch nur, soweit sie mit erträglichem Aufwand erhältlich sind. Noch eine Schlussbemerkung, für die ich um Verständnis bitte: Rezensionen bleiben trotz aller Bemühungen um Objektivität immer Ergebnisse einer subjektiven Betrachtungsweise. Der einzelne Leser mag durchaus zu einer anderen Beurteilung kommen; seine Kaufentscheidung trifft er in eigener Verantwortung.

Die Bücher sind in der Reihenfolge ihres Erscheinens geordnet - die jüngsten Ausgaben zuerst.

Weitere Angaben zu viel, viel Literatur seit den Anfängen der Erschließung des Himalaya finden Sie auf meinen Seiten "Die 14 Achttausender" und "Literatur allgemein".

Ihr Günter Seyfferth

Inhalt:

Reinhold Messner: Die rote Rakete am Nanga Parbat (2010)
Dieter Porsche: Mount Everest - Nanga Parbat - Dhaulagiri (2009)
Dieter Porsche: Der weiße Berg - Überlebenskampf am Dhaulagiri (2009)
Jochen Hemmleb: Tatort Mount Everest - Der Fall Mallory (2009)
Charlotte Jacquemart: Marcel Rüedi - Zehn Achttausender dank Gerda (2009)

Reinhold Messner: Diamir - König der Berge - Schicksalsberg Nanga Parbat (2008)

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Buchtitel Messner_2.jpg (119687 Byte)

Reinhold Messner: 
Die rote Rakete am Nanga Parbat

Piper Verlag GmbH, München 2010
ISBN 978-3-89029-373-8

Gebunden, 304 Seiten, viele s/w-Fotos
Format: 130 x 210 x 30 mm, 495 Gramm

Preis: Euro 19,95

"Die rote Rakete am Nanga Parbat. Drehbuch zu einem Film, der nie gezeigt werden kann" wurde erstmals 1971 aufgelegt. Da sich der Leiter der Nanga Parbat-Expedition von 1970, Karl Herrligkoffer, per Vertrag mit den Expeditionsteilnehmern die alleinigen Veröffentlichungsrechte gesichert hatte, musste Reinhold Messner sein Buch kurz nach Erscheinen zurückziehen. Heute ist er nicht mehr an dieses Gerichtsurteil gebunden.

Der Originaltext dieses frühen Buches, in dem R. Messner die dramatischen Ereignisse der Erstbesteigung des Nanga Parbat über die Rupalwand im Jahr 1970 schildert, ist auch Hauptbestandteil dieses neuen Buches. Die ursprüngliche Form als Drehbuch wurde beibehalten. Damit vermeidet Messner, alles in Ich-Form beschreiben zu müssen. In den Text sind Dialoge der Messner-Brüder eingeflochten sowie - als eine spezielle Ebene der Darstellung - die persönliche Sicht des Reinhold Messner, hier in Ich-Form.

Im Vorwort unter der Überschrift "Die Wahrheit ist kein Kompromiss" setzt sich Messner mit dem Zwist zwischen ihm und einigen anderen Expeditionsteilnehmern sowie dem Deutschen Alpenverein auseinander, der nunmehr schon seit 40 Jahren besteht. Man hatte eigentlich erwartet, dass dieser mit dem Auffinden der sterblichen Überreste von Günther Messner am Diamir-Gletscher im Jahr 2005 beendet worden wäre, da damit die Schilderungen von Reinhold Messner bestätigt und die Vorwürfe seiner Gegner widerlegt waren. Dennoch und trotz gerichtlicher Bestätigungen von Messners Darstellungen lassen seine Gegner nicht von dem Vorwurf ab, er hätte seinen Bruder seinem Ehrgeiz geopfert. Unlängst zeigte man angebliche Dokumente Messners, in denen er sogar selbst das beschrieben haben soll, was seine Gegner behaupten. Dazu stellt Messner in seinem Vorwort fest: "Auch die Behauptung, ich hätte "den Bruder dem Ehrgeiz geopfert", basiert auf einer Fälschung. Denn das Tagebuch, das dazu abgedruckt wurde, gibt es im Original nicht, und die dazugefügte Seite, in der ich als Kronzeuge gegen mich selbst zitiert werde, ist eine Erfindung. Der Text ist frei erfunden, falsch datiert und in seiner Böswilligkeit unverzeihlich." Weiter sagt er dazu: "Hemmungslos wurde im Namen der Wahrheit gefälscht und gefälschtes abgedruckt, anklägerisch die "Kameradschaft" beschworen, um einen "Kameraden" mit einer abgesprochenen Lügengeschichte zu diskreditieren." Die 17 Seiten des Vorworts sind Anklage und Begründung für die Neuauflage des Buches mit seinen Ergänzungen.

In dem Text von 1971 werden die wichtigen Episoden der Expedition aus ganz persönlicher Sicht von Reinhold Messner unter Verwendung von Tagebucheinträgen seines Bruders Günther dargestellt. Es ist ein fesselnder Bericht der sich nach und nach zum Drama entwickelnden Ereignisse. Eine Farbrakete soll den hoch oben am Berg befindlichen Bergsteigern signalisieren, ob gutes oder schlechtes Wetter vorhergesagt ist. Es ist gutes Wetter angesagt, doch Herrligkoffer lässt eine rote Rakete abschießen - Zeichen für schlechtes Wetter. Ob es ein Versehen war oder nicht, darüber wurde später heftig gestritten. Auf jeden Fall war es für Reinhold Messner das vereinbarte Zeichen für einen schnellen Solovorstoß zum Gipfel, bevor das Wetter umschlug. Ohne dass er es ahnte, folgte ihm einige Stunden später sein Bruder Günther, holte ihn in einem Gewaltakt noch vor dem Gipfel ein. Es folgte ein Odyssee mit Biwak unterhalb des Gipfels, der Erkenntnis, dass ein gemeinsamer Abstieg durch die Rupalflanke ohne Seil und bei dem geschwächten Zustand von Günther nicht mehr möglich war, und dem verzweifelten Abstieg durch die zwar gefährliche, aber technisch leichtere Diamir-Wand. Am Fuß der Wand verlor der vorausgehende Reinhold seinen Bruder aus den Augen, bei der Rückkehr nach längerem Warten fand er nur noch einen frischen Kegel einer niedergegangenen Eislawine. Mit schweren Erfrierungen und fast verhungert kam er nach mehreren Tagen im Tal an, wo er auch wieder auf die anderen Expeditionsteilnehmer traf. Es war mit Sicherheit eines der dramatischsten und leidensvollsten Abenteuer, das ein Mensch im Himalaya erlebt hat, von dem damals noch jungen Autor eindrücklich beschrieben.

Mit den zahlreichen neu hinzugefügten Zitaten, die auf den vielen neuen Bildseiten zu finden sind, versucht Messner eine Grundlage zu vermitteln, auf der der Leser sich selbst ein Urteil über Wahrheit und Verhaltensweisen in dem schon 40 Jahre andauernden Zwist bilden kann. Darunter befinden sich viele Zitate aus den Expeditionstagebüchern seiner damaligen "Kameraden" und des Expeditionsleiters. Mit eigenen Zitaten streut er seine Gedanken aus heutiger Sicht ein. Der Leser sollte alle Zitate also sorgfältig und in Zusammenhang mit den Ausführungen im Vorwort bewerten - eine durchaus interessante Herausforderung in diesem Buch.

Stuttgart, den 05. Februar 2010

Der Autor verfügt über eine eigene Website: http://www.reinhold-messner.de

Buchtitel Everest - Nanga Parbat - Dhaulagiri.jpg (198108 Byte)

Mount Everest - Nanga Parbat - Dhaulagiri
mit Dieter Porsche

Verlag Pietsch, Stuttgart 2009
ISBN 978-3-613-50611-4

Gebunden, 256 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 268 x 297 x 22 mm, 1650 Gramm

Preis: Euro 49,90

Dieser großformatige Bildband von Dieter Porsche darf im Bücherschrank der Freunde der Bergwelt nicht fehlen! Mit insgesamt 425 (!) meist großformatigen Fotos dokumentiert der Autor die Anmarsch- und Aufstiegsrouten an drei Achttausendern:

- auf den Dhaulagiri I (8167 m) durch das Myagdi-Tal und über den Nordostgrat,
- auf den Nanga Parbat (8125 m) durch das Diamir-Tal und über die Diamir-Flanke,
- auf den Mount Everest (8850 m) von Lukla durch den Khumbu-Eisbruch und über den
  Südostgrat.

Dieter Porsche, der bis jetzt u.a. die Gipfel von 8 Achttausendern erreicht hat, ist stets mit einer Spiegelreflexkamera und mehreren Objektiven unterwegs. Er legt größten Wert auf gute Fotos und eine möglichst lückenlose Dokumentation der Routen - vom Tal bis zum Gipfel. Er nimmt damit eine erhebliche zusätzliche Last auf sich – nicht nur die des schwereren Rucksacks: Fotografieren bedingt zusätzliche Aufmerksamkeit, Blickschärfe und Zeit – Zeit, die am Berg im Interesse des Überlebens nicht verschwendet werden darf. Aber diese selbstgestellte Aufgabe ist auch seine zusätzliche Motivation auf dem Weg zum Ziel und liefert vor allem Ergebnisse, von denen wir, die Leser, auch etwas haben. Und so präsentiert der Bildband die Routen an den drei genannten Achttausendern in perfekter Weise, selbst wenn es noch so schwer war, an den Steilflanken eine geeignete Position für ein übersichtliches Foto einzunehmen. Mögen die Positionen auch noch so schwierig und die Lichtkontraste auch noch so groß gewesen sein: das Foto ist gelungen! Wenn man sich klar macht, welche Energie erforderlich ist, um trotz der ohnehin schon extrem hohen physischen und psychischen Belastung und trotz der oft widrigen Witterungsverhältnisse immer wieder den Fotoapparat herauszuholen und mit eisigen Fingern auch noch exzellente Fotos zustande zu bringen, muss man dem Autor größte Hochachtung für dieses hervorragende Arbeitsergebnis entgegenbringen. Die jeweils einleitenden Übersichtsfotos mit eingezeichnetem Routenverlauf und Camps, die chronologische Ordnung der Bilder im Auf und Ab am Berg sowie die "erzählenden"  Bildunterschriften tragen ein Übriges dazu bei, dass sich der Leser und Betrachter wirklichkeitsnah in das Bergabenteuer hineinversetzen kann und den Überblick darüber behält, wo sich der Fotograf gerade in welchem Zusammenhang  befindet. Da tut es dem Ganzen keinen Abbruch, wenn der Autor am Everest-Südgipfel auf 8754 m Höhe umkehren musste, weil der Expedition die Seile zur weiteren notwendigen Sicherung am Südostgrat ausgegangen waren. Zusätzlich zu diesem sehr umfangreichen Bildtteil sind die drei Berge mit ihren wesentlichen Merkmalen sowie ihrer Geschichte der Erschließung und der Höhepunkte der Besteigungen in übersichtlicher Form beschrieben.

Eine solche Art der Bild-Dokumentation der Routen ist in der Bergliteratur nahezu einmalig. Zumindest für die Routen am Nordostgrat des Dhaulagiri I und an der Diamir-Flanke des Nanga Parbat ist mir kein anderes Werk mit auch nur annähernd vergleichbarer Qualität und Vollständigkeit bekannt. Auch deshalb ist das Buch so wertvoll - für alle Bergbegeisterten, gleich ob aktiv oder passiv. Für den Bergsteiger mit konkreten Besteigungsabsichten ist das Buch ohnehin ein "Muss".

Stuttgart, den 18. Oktober 2009  

Der Autor verfügt über eine eigene Website: http://www.alpin-extrem.de .

Buchtitel Der weisse Berg.jpg (186692 Byte)

Dieter Porsche:
Der Weiße Berg
Überlebenskampf am Dhaulagiri

Verlag Pietsch, Stuttgart 2009
ISBN 978-3-613-50610-7

Gebunden, 256 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 150 x 225 x 22 mm, 675 Gramm

Preis: Euro 19,95

Dieses Buch von Dieter Porsche ist der persönliche Erlebnisbericht des Autors von seiner Besteigung des Dhaulagiri I (8167 m) im April/Mai 2003 - chronologisch geordnet von Tag zu Tag vom Abflug in München bis zu den abschließenden Klinikaufenthalten in Innsbruck und Tübingen. Das Bergabenteuer endete tragisch - zwar ohne Opfer von Leben, aber doch mit schweren Erfrierungen an den Fingern des Autors und Amputationen an den Händen und Füßen seines Freundes.

Der Anmarsch und die Einrichtung der ersten Lager am siebthöchsten Berg der Erde verlief unter den am Dhaulagiri üblichen schwierigen Wetterverhältnissen. Im Jahr 2003 war es allerdings besonders schlimm; so wurde z.B. der Gipfel des Everest ebenfalls nicht vor dem 20. Mai erreicht. Immer wieder wurden die Bergsteiger von den Wetterkapriolen zurück ins Basislager getrieben. Der Termin für die Rückreise musste verschoben werden, um nicht bereits vorzeitig aufgeben müssen. Schließlich erfolgte der Gipfelanstieg am 20. Mai vom letzten Hochlager auf 7400 m Höhe aus. Über steile Schnee-Couloirs und Felsgrate erreichten der Autor und einige andere Bergsteiger den Gipfel. Beim Abstieg vom Gipfelgrat stürzte dann sein Freund unerwartet ab, riss einen weiteren Bergsteiger mit sich, überschlug sich mehrfach und kam erst nach einer Schussfahrt von etwa 600 m durch das steile Schnee-Couloir zum Halten - knapp vor einem steilen Abbruch. Geschockt stiegen die Kameraden zu den Verunglückten ab. Außer Prellungen schienen keine äußeren Verletzungen vorhanden zu sein, der Freund des Autors zeigte aber bald ein merkwürdiges Verhalten, dessen Ursachen unklar waren. Der Rückweg zum obersten Lager gestaltete sicher immer schwieriger, bis man schließlich in die Nacht kam. Erst im Laufe der Nacht wurde das Lager erreicht, nicht aber vom Autor selbst, der sich vorher wegen der drohenden Absturzgefahr zu einem Biwak im Freien entschlossen hatte. Er überlebte die extrem kalte Nacht, womit seine Kameraden im Hochlager gar nicht mehr gerechnet hatten. Erfrierungen an den Händen und unerklärliche weitere Probleme des Körpers machten den weiteren Abstieg zur Tortur. Für seinen Freund war alles in Anbetracht der schwereren Erfrierungen noch schlimmer. Ein Rettungshubschrauber zum Basislager war schließlich der letzte Ausweg, ärztliche Versorgung ließ aber noch bis zum Eintreffen in der Fachklinik in Innsbruck auf sich warten. Ein Martyrium am Ende eines zunächst vom Gipfelerfolg gekrönten Unternehmens.

Auch dieses Buch enthält sämtliche (151) Bilder zum Dhaulagiri aus dem vorstehend beschriebenen Bildband von Dieter Porsche - wenn auch in kleinerem Format. Auch dieses Buch ist also schon alleine durch die zahlreichen guten Bilder eine hervorragende Dokumentation der Aufstiegsroute. Mit Expeditionsbericht und ausführlicher Fotodokumentation vermittelt das Buch ein umfassendes Bild - auch für diejenigen gut verständlich, die weder über Ortskenntnis noch über Expeditionserfahrung verfügen. Dabei helfen auch hier die einleitenden Übersichtsfotos mit eingezeichnetem Routenverlauf und Camps und die chronologische Ordnung der Bilder im Kontext mit dem Text. Der Leser und Betrachter kann sich leicht und wirklichkeitsnah in das Bergabenteuer hineinversetzen und behält den Überblick darüber, wo sich der Erzähler und Fotograf gerade in welchem Zusammenhang  befindet. Zusätzlich ist auch hier der Berg mit seinen wesentlichen Merkmalen sowie seiner Geschichte der Erschließung und der Höhepunkte der Besteigungen in übersichtlicher Form beschrieben. Da es zum Dhaulagiri nach dessen Erstbesteigung 1960 nahezu keine Literatur gibt und - abgesehen von dem vorstehend beschriebenen Bildband - keine Bilddokumentation in diesem Umfang und in dieser Qualität, ist dieses Buch von Dieter Porsche eine beachtenswerte und preiswerte Bereicherung des privaten Bücherschrankes.

Der Autor pflegt einen eher nüchternen, sachlichen Berichtsstil. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Emotionen in der Erzählung gewünscht und - zur Auflockerung - auch ein Eingehen auf die kleinen Ereignisse des Alltags, die Freuden und Probleme - in der Expeditionsgemeinschaft, aber auch im ganz persönlichen Bereich. Diese Emotionalität klingt beim Autor erst an, als sich die Ereignisse zur Dramatik steigern. Man muss akzeptieren, wenn dieses "Sich-Öffnen" nicht in der Natur des Autors eines Bergbuches liegt. Er könnte seine Erlebnisse dann höchstens einem schriftstellerisch begabten Freund schildern, damit dieser Ereignisse und persönliches Empfinden in Kenntnis der Persönlichkeit des Bergsteigers zu einer literarischen Einheit formt. Aber wer hat schon diese Möglichkeit? Manch anderer Leser wiederum mag es so, wie er es in diesem Buch vorfindet.

Stuttgart, den 18.Oktober 2009

Der Autor verfügt über eine eigene Website: http://www.alpin-extrem.de .

Buchtitel Hemmleb.jpg (244228 Byte)

Jochen Hemmleb:
Tatort Mount Everest - Der Fall Mallory
Neue Fakten und Hintergründe

Terra magica, Belser Reich Verlags AG, 2009
ISBN 978-3-7243-1022-8

Gebunden, 271 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 180 x 246 x 24 mm, 950 Gramm

Preis: Euro 24,95

Der Autor Jochen Hemmleb beschäftigt sich schon seit langer Zeit mit dem Schicksal von George Leigh Mallory und Andrew Irvine, die bei ihrem Besteigungsversuch des Mount Everest zum letzten Mal am 8. Juni 1924 lebend  gesehen wurden. Hemmleb nahm an zwei Suchexpeditionen in den Jahren 1999 und 2001 teil und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der Leichnam von Mallory am 1. Mai 1999 auf 8155 m Höhe gefunden wurde. Weitere Recherchen führten Hemmleb u.a. nach Peking zum Treffen mit Veteranen der chinesischen Expeditionen aus den Jahren 1960 und 1975. Zwei Buchveröffentlichungen gingen der vorliegenden neuesten Aufarbeitung voraus (siehe : Everest-Geschichte zum Jahr 1999).

Dieses neue Buch fasst alle wesentlichen Ereignisse, Aussagen und Erkenntnisse bis zum heutigen Tag zusammen, vom Fund des Eispickels von Irvine im Jahr 1933 über die Andeutung eines chinesischen Bergsteigers aus dem Jahr 1979 zu einem "englischen Toten" auf etwa 8200 Meter Höhe bis zu den jüngsten Aussagen von Zeugen, die einen weiteren Toten hoch oben am Nordostgrat gesehen haben wollen. Hemmleb entwickelt zunächst den logischen Weg von der vagen Andeutung aus dem Jahr 1979 über sorgfältige Analysen von Berichten und Geländefotos bis zum Fund des Leichnams von Mallory im Jahr 1999 - eine Weltsensation! Dieser Fund warf aber mehr Fragen auf als er beantwortete. Bei der Suchexpdeition im Jahr 2001 fand man das höchste Lager von 1924, gewann aber keine wesentlichen neuen Erkenntnisse darüber, was 1924 passiert sein könnte.

Hemmleb stellt in seinem neuen Buch alle wichtigen Ereignisse von der Erkundungsexpedition 1921 bis zur Suchexpedition 2001zusammen und dokumentiert die Routen und Fundorte in sorgfältig ausgearbeiteten beschrifteten Fotoansichten der Nordflanke des Everest. Gerade diese graphischen Aufarbeitungen verdeutlichen, wie weit Vermutungen gehen können und was als unwahrscheinlich anzusehen ist. Diese Grafiken sind eine wichtige Grundlage für weitere Überlegungen. Die historischen Berichte sind in direktem Zusammenhang mit den aktuellen Funden und Analysen so eingeflochten, dass der Leser den Bezug zwischen ursprünglichem Geschehen und späteren Entdeckungen begreift. In den ersten zwei Dritteln des Buches gelingt Hemmleb auf diese Weise eine sachliche und nachvollziehbare Dokumentation, die als Grundlage für weitere Untersuchungen geeignet erscheint. 

Verwunderlich und schade ist, dass Hemmleb dann diese klare Linie der Sachlichkeit und Objektivität verlässt. Bei der Frage, ob Mallory und Irvine den Second Step überwunden haben können, stellt er noch sachlich korrekt fest, dass es in dieser Hinsicht zwar Meinungen, aber keine Beweise gibt. Dennoch folgt er dann nur noch seiner Wunschvorstellung, dass M & I dieses Hindernis überwunden haben. Die bekannten Bergsteiger und Skeptiker kritisiert er ausführlich in ihrer negativen Beurteilung der Möglichkeit und versucht, sie unglaubwürdig zu machen. Die Berichte von zwei anderen Bergsteigern hingegen, die er nicht persönlich kennt und deren Aussagen er per Mail entgegengenommen hat, übernimmt er ungeprüft und unkritisch als nicht anzuzweifelndes Indiz für die Richtigkeit seiner Hypothese (Seiten 173 bis 186). Nichts gegen Hypothesen: Sie sind hilfreich, weil sie den Blick erweitern, wo nach welcher Art Spuren gesucht werden sollte. Eine zum Dogma erhobene Hypothese jedoch verstellt den Blick, verführt zu Manipulationen und endet schließlich in falschen Urteilen. Auf den Seiten 201 bis 213 stellt sich der Autor dann unübersehbar ins Abseits - zumindest aus Sicht eines rational denkenden Menschen. Dort bemüht er die Aussagen eines "Mediums" aus einer Fernwahrnehmungssitzung zur Stützung seiner Hypothese. Er war nicht selbst dabei, sondern hat die Aussagen von "seiner Quelle", die er natürlich nicht benennt, per Mail (!) erhalten. Das (unbekannte) Medium hatte angeblich keinerlei Wissen über Mallory und Irvine und den Everest, "sah" aber sämtliche drei Graterhebungen und den Gipfel und hatte den Eindruck, "dass beide Personen die beiden ersten untergeordneten Erhebungen erreichten, aber nur eine die dritte - die Person, deren Namen mit >M< beginnt. Keine erreichte den vierten oder schwierigsten Gipfel". Dass der Autor auch noch betont, dass er und "seine Quelle" solchen Séancen durchaus skeptisch gegenüberständen, macht alles noch schlimmer! Die Betonung der eigenen Zweifel soll alles noch glaubhafter erscheinen lassen. Sein Glaube und seine Leichtgläubigkeit seien dem Autor unbenommen, aber er darf sich nicht wundern, wenn ihm der Leser jetzt nicht mehr folgen kann und will.

Damit entwertet Hemmleb leider auch seine vorherigen Arbeitsergebnisse, die ja weitestgehend auf soliden Recherchen beruhen und durchaus als Grundlage für weitere Untersuchungen dienen können. Besondere Skepsis ist nun auch angebracht gegenüber seinen Vorgehensweisen und Folgerungen im Hinblick auf einen zweiten "alten" Toten hoch oben am Nordostgrat. Diesen Leichnam (evtl. Irvine) mag es dort geben oder gegeben haben - oder auch nicht. Tatsache ist (lt. Hemmleb), dass der Zeuge aus dem Jahr 1960 erstmals 2001 überhaupt von seinem "Fund" berichtete und mehrfach einen Fundort angab, der nicht stimmen konnte. Tatsache ist (lt. Hemmleb), dass der Autor dem Zeugen "seinen" Wunschfundort in suggestiver Weise nahe legte und diesen schließlich wunschgemäß bestätigt bekam. Genau dasselbe wiederholte sich lt. Hemmleb sieben Jahre später. Tatsache ist weiterhin, dass ein zweiter Zeuge von 1995 vom Autor nicht befragt wurde und dessen Aussagen aus der Quelle everestnews.com stammen - einer Quelle, die in Sachen Mallory & Irvine mehrfach durch absolut unseriöse Berichte aufgefallen ist. Tatsache scheint auch zu sein, dass dieser zweite Leichnam bei einer gezielten Suche nicht gefunden wurde. Dennoch behandelt Hemmleb den Fund Irvines an genau der einen Stelle als so gut wie gegeben. Entsprechend baut er seine Hypothese aus, bei der man sich aber zunehmend fragt, durch was diese eigentlich gestützt wird. Nebenbei fragt man sich auch, ob das Ausbreiten seiner Privatfehde mit Reinhold Messner vor der Öffentlichkeit der Wahrheitsfindung dient. 

Aber Hemmleb ist überzeugt, ja er spricht sogar fast allen anderen Meinungen jegliche Bedeutung ab (Seite 229). Dass eine für 2009 geplante erneute Suchexpedition nach Irvine (merkwürdig begründet) nicht stattfinden konnte, ist für ihn nicht mehr von Bedeutung. Er, der einzig kompetente Ermittler weiß auch so, was geschehen ist. Der Welt muss er nichts mehr beweisen, höchstens noch sich selbst (Seite 235). Auf den letzten Seiten des Buches kommt eine Grundhaltung gegenüber anderen zum Ausdruck, die nicht gerade einnehmend wirkt und nun doch Zweifel an der Eignung des "Ermittlers" Hemmleb aufkommen lässt - trotz des Erfolges seiner Arbeit im Jahr 1999.

Schade, dass das Buch nicht so gut aufhört wie es begonnen hat. 

Stuttgart, den 21. November 2009

Der Autor verfügt über eine eigene Website: http://www.jochenhemmleb.com/german/home/index.php

Buchtitel Rueedi.jpg (80460 Byte)

Charlotte Jacquemart
Marcel Rüedi - ein Winterthurer im Himalaja
Zehn Achttausender dank Gerda

SAC, Sektion Winterthur
Rosch-Verlag, Pfäffikon, 2009
ISBN 3-908022-50-9

Gebunden, 192 Seiten, Farbfotos
Format: 171 x 241 mm, 700 Gramm

Preis: Euro 30,00 ( Fr. 45,00)

Bestellmöglichkeiten:

mail@sailerdruck.ch
(Sailer Druck GmbH, CH - 8402 Winterthur)
oder
greulalpin@t-online.de
(Hans-Dieter Greul, D - 60529 Frankfurt)

Die Autorin Charlotte Jacquemart ist eine Freundin der Familie des Schweizer Bergsteigers Marcel Rüedi, der im Jahr 1986 am Makalu, seinem zehnten Achttausender, ums Leben kam. Die Journalistin hat für diese gelungene Biografie Tagebücher von Marcel Rüedi ausgewertet, Gespräche mit  der Witwe und den Töchtern sowie vielen Wegbegleitern von Marcel Rüedi geführt, die Archive der Zeitungen und Zeitschriften durchsucht und die Literatur zur Besteigungsgeschichte des Himalaya aus der betreffenden Zeit ausgewertet. Mit all diesen Informationen geht die Autorin im Interesse des Lesers sehr verantwortungsbewusst um, d.h. sie verzichtet auf nicht belegte Ausschmückungen und persönliche Interpretationen und gibt so dem Leser die Möglichkeit, sich selbst ein möglichst unverfälschtes Bild von Marcel Rüedi zu machen. Trotzdem - oder vielleicht gerade dadurch - baut sich vor dem Auge des Lesers eine spannende und vor allem nachvollziehbare Lebensgeschichte auf, denn der Mensch Marcel Rüedi bot mit seiner unbändigen Leidenschaft für Familie, Beruf und Bergsteigen und allen daraus resultierenden Konflikten ohnehin genügend Stoff für eine an dramatischen Elementen reiche Biografie bis hin zum seinem tragischen Ende.

Marcel Rüedi muss im Vergleich zu manch anderer bergsteigerischer Berühmtheit als Amateur bezeichnet werden. 1938 in Winterthur als Sohn eines Metzgers geboren verbringt er seine Kindheit und Ausbildungszeit ohne jegliche Berührung mit dem Sport des Bergsteigens. Er wird Metzger, kann aber selbst kein Tier töten. Er verbringt mehrere Jahre im Ausland, lernt dort seine Frau Gerda kennen, und kehrt schließlich 1964 nach Winterthur zurück, um den väterlichen Betrieb zu übernehmen, der bald viele Angestellte und Aushilfskräfte beschäftigt. 1965 und 1969 werden die beiden Töchter geboren. Insgesamt also ein gutes Umfeld, aber mit viel Arbeit und wenig Freizeit. Diese knappe freie Zeit widmet er ausschließlich der Familie. Erst 1970, also mit 32 Jahren, kommt er über einen Freund in Kontakt mit dem Bergsteigen, das schnell neben Familie und Beruf zur dritten Leidenschaft wird. 

Schon in diesem einleitenden Kapitel gelingt es der Autorin, ein Spannungsfeld aufzubauen, in dem der Leser erahnen kann, dass ein Lebensabschnitt folgen wird, in dem die neue Leidenschaft Konflikte und Gefahren heraufbeschwören könnte. Und so kommt es auch. Schon bei seiner ersten Himalaya-Expedition zum Dhaulagiri I im Jahr 1980 bringt er sich in Lebensgefahr, weil er viel zu schnell aufsteigt und dem Körper keine Zeit für die überlebenswichtige Akklimatisation gibt. Auch bei seinen folgenden Expeditionen bringt er sich immer wieder in große Gefahr, weil er zu sehr darauf vertraut, mit seinen unbändigen Körperkräften alle Probleme bewältigen zu können. Er ist bald bekannt dafür, mit seiner Kraft und seinem Willen auch dort noch durchzukommen, wo andere aufgeben. Und er ist ein beliebter Expeditionskamerad, der immer bereitwillig hilft und ermuntert. Er selbst aber leidet auf den Expeditionen unter den langen Trennungen von seiner Familie. Dem Dhaulagiri I folgt die Expedition von 1983, bei der Marcel innerhalb von drei Wochen auf den Gipfeln der drei Achttausender Gasherbrum II, Gasherbrum I und Broad Peak steht - ein aufsehenerregender Erfolg! 1984 folgen Manaslu und Nanga Parbat, 1985 K2 und Shisha Pangma. Er ist schnell auf seinen Aufstiegen, sehr schnell! Aber immer wieder auch überschreitet er Grenzen, wo die Vernunft zur Umkehr raten müsste. Am K2 wühlt er sich bei schlechtem Wetter sechs Tage lang durch lawinengefährlichen Tiefschnee zum Gipfel. Sein Freund Norbert Joos verliert bei diesem Abenteuer sämtliche Zehen durch Erfrierung. 

Wer diese Kapitel aufmerksam liest und einigermaßen um die Gefahren des Höhenbergsteigens und erforderliche Vorsichtsmaßnahmen weiß, wundert sich über einen an sich nicht mehr zu rechtfertigenden Wagemut. Die schnellen Erfolge scheinen ihn ermutigt zu haben, mit Reinhold Messner und Jerzy Kukuczka ein Wettrennen zu eröffnen, wer der erste Mensch mit allen 14 Achttausender sein wird. Nur: diese beiden bereiten ihre Unternehmungen bedächtiger vor und führen sie vorsichtiger durch. Marcel Rüedi hat weder die Mittel noch die Zeit dazu, und versucht es trotzdem. Nach der Bezwingung des Cho Oyu im Mai 1986 unter haarsträubenden Witterungsbedingungen hetzt er im Sept. desselben Jahres zum Makalu, seinem 10. Achttausender. Zusammen mit dem an sich höhenerfahrenen Mediziner Oswald Oelz steigt er ohne Unterbrechung bis auf 7000 m Höhe, wo Oelz an einem lebensbedrohenden Höhen-Lungenödem erkrankt und absteigen muss. Marcel Rüedi schlägt dieses Indiz für eine völlig unzureichende Höhenanpassung des Körpers in den Wind. Er geht zwar zunächst hinunter ins Basislager, befindet sich aber kurz danach schon wieder im Aufstieg zum Gipfel - trotz der Warnung von Oswald Oelz. Ausgerechnet Messner befindet sich auch am Berg, um dort seinen 13. Achttausender zu besteigen. Und so kommt es zum fast vorhersehbaren tragischen Ende: Marcel Rüedi erreicht den Gipfel am 24. September in der Abenddämmerung und steigt in der Nacht ab. Am nächsten Morgen beobachten ihn Reinhold Messner und Kameraden mit dem Fernglas vom Makalu La aus. Er verschwindet hinter einer Bodenwelle und taucht nicht mehr auf. Am nächsten Tag finden sie ihn auf 7800 m Höhe tot im Schnee sitzend, knapp unterhalb des Zeltes.

Das Buch ist die Biografie eines liebenswerten Menschen, aber auch eines Besessenen, der keine Pausen der Muße kannte, der manche Grenze der Vernunft überschritt, der vieles seiner Leidenschaft des Höhenbergsteigens opferte, zu viel und zuletzt sein eigenes Leben sowie das Glück seiner Familie.

Stuttgart, den 28. Februar 2010

Hier finden Sie die Website über Marcel Rüedi: http://www.marcel-rueedi.ch

Buchtitel Messner.jpg (174672 Byte)

Reinhold Messner:
Diamir - König der Berge
Schicksalsberg Nanga Parbat

Frederking & Thaler Verlag GmbH, München, 2008
ISBN 978-3-89405-708-4

Gebunden, 292 Seiten, hochwertiges Papier
Format: 269 x 297 x 27 mm, 2100 Gramm

Preis: Euro 39,90

Ist dieses "gewichtige" Buch ein opulenter Bildband? Ist es eine Aufarbeitung der Geschichte und wesentlichen Ereignisse am "Schicksalsberg" der Deutschen? Beide Fragen kann man ohne Zögern mit "Ja" beantworten. Für den Autor Reinhold Messner hat das Wort "Schicksalsberg" stets eine vielfältige und auch sehr persönliche Bedeutung.

Für die deutsche Nation wurde der Nanga Parbat zum Schicksalsberg, weil die "Eroberung" des Gipfels zur heroischen Aufgabe des Nationalsozialismus erklärt wurde und der Berg in den Jahren 1934 und 1937 fürchterliche Opfer forderte. Aber auch noch bei der Erstbesteigung 1953 wurde die sog. Bergsteigerkameradschaft in einer Art beschworen, die dem Autor zu Recht ein Dorn im Auge ist. Für Reinhold Messner ist der Nanga Parbat aber auch ein Schicksalsberg aus ganz persönlicher Sicht, verlor er doch hier seinen Bruder Günther nach der Besteigung des Nanga Parbat über die Rupalflanke im Jahr 1970. Diesem Ereignis folgten äußerst unerfreuliche Auseinandersetzungen und wilde Anschuldigungen, die auch heute noch nicht als gänzlich abgeschlossen betrachtet werden können. Es war für Messner unumgänglich, diese "Seite" des Berges auch in diesem Buch aufzugreifen. 2003 war die Anschuldigung erhoben worden, er hätte seinen Bruder am Gipfel im Stich gelassen und in die Rupalwand zurückgeschickt. Mit dem Auffinden des Leichnams seines Bruders im Jahr 2005 am Diamir-Gletscher war aber dann sein Bericht von 1970 bestätigt. So, wie die Vorwürfe gegen ihn in der Öffentlichkeit - u.a. in Form von Buchveröffentlichungen - erhoben worden waren, ist es jetzt richtig und unvermeidlich, dass auch die Aufklärung des Sachverhalts in entsprechender Form für die Öffentlichkeit erfolgt. Diejenigen, die unbewiesene Behauptungen in den Raum gestellt haben, müssen diese Entgegnung ohne wenn und aber hinnehmen. Man muss aber auch akzeptieren, dass manche Verletzungen Narben hinterlassen haben und Erinnerungen nicht einfach getilgt werden können. Den Beteiligten wünscht man, dass sie nunmehr zumindest die Auseinandersetzungen beenden können.

Dieser ganz persönliche Teil der Geschichte des Berges ist Gegenstand der Beschreibungen aus den Jahren seiner beiden Besteigungen in den Jahren 1970 und 1978, aber auch der Jahre 2003 und 2005. Generell wird die Geschichte des Nanga Parbat in chronologischer Reihenfolge dargestellt - wie bei Messner üblich unter Auswahl bestimmter Ausschnitte und möglichst unter Verwendung der Berichte und Zitate von direkt Beteiligten, beginnend mit Mummery im Jahr 1895. Da Schönfärberei Messners Sache nicht ist, stellt er auch das Jahr der Erstbesteigung 1953 als das dar, was es war: Das Jahr des bergsteigerischen Erfolges eines Einzelnen, aber auch das Jahr der Zwietracht zwischen Expeditionsteilnehmern. Die Besteigung der Rupalflanke über eine neue Route im Jahr 2005 durch zwei Amerikaner, für die beiden Alpinisten mit dem "Piolet d'Or" ausgezeichnet wurden, ist der letzte Teil der bergsteigerischen Chronologie.

Über sein umfangreiches Bildmaterial ist das Buch von hohem dokumentarischem Wert. Viele spektakuläre Luftaufnahmen des pakistanischen Fotografen Pervez Khan vermitteln einen hervorragenden Überblick von allen Himmelsrichtungen und geben Einblicke in viele Details der Flanken des riesigen Berges. Bei der Deutung von Details ist die auf der Innenseite der Buchdeckel abgedruckte Karte hilfreich. Hier sind auch die wichtigsten Besteigungsrouten eingetragen. Die Luftbilder, aber auch viele andere Aufnahmen sind im Großformat jeweils über zwei Seiten des Bandes abgedruckt - also wirklich sehr groß! Zu jeder der beschriebenen Expeditionen findet man aussagekräftige Bilder der jeweiligen Ereignisse, sogar Raritäten von der Expedition Mummery's aus dem Jahr 1895. Insgesamt ist das Bildmaterial ein riesiger Fundus, um die Gestalt des Berges und die Problematik seiner Besteigungen von den verschiedenen Seiten zu erfassen und zu begreifen. Das historische Bildmaterial vermittelt einen guten Eindruck von den Begleitumständen der jeweiligen Zeit. 

Ein umfangreiches Quellenverzeichnis hilft, sich weiter zu informieren.

Stuttgart, den 21. November 2009

Der Autor verfügt über eine eigene Website: http://www.reinhold-messner.de

 

  

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