Beschreibung der Topografie
der Region und Hinweise zu Besteigungen:
Auf dieser Seite wurden der Beschreibung
fünf Panoramafotos vorangestellt, die die Bergketten der Khumbu-Region aus
der Sicht von der tibetischen Seite fast von selbst erklären.
Das erste Foto, das von der tibetischen
Hochebene aus gemacht wurde, lässt deutlich den Kontrast zwischen den
Klimazonen der Hocheben und des Gebirges erkennen: Die hohen Berge auf der Grenze zwischen Nepal und Tibet sind die
Wetterscheide zwischen der südlichen Zone, die vom Monsun beeinflusst
ist, und der Trockenzone des tibetschen Hochlandes. Unmittelbar nördlich
der Grenzkette gibt es noch eine Reihe von Gipfeln um die 7000 m Höhe,
die aus der Fernsicht aber vergleichsweise niedrig aussehen. Da die
tibetische Hochebene um die 5000 m hoch liegt, sind die Höhenunterschiede
zu diesen Gipfeln relativ gering. Nur die Achttausender und der Gyachung
Kang als Fast-Achttausender können aus der Sicht von Norden imponieren.
Das zweite Foto, das vom Gipfel des Mount
Everest nach West-Nord-West in Richtung Cho Oyu gemacht wurde,
verdeutlicht die Unterbrechung in der Kette der hohen Gipfel zwischen dem
langen Gebirgskamm vom Cho Oyu zum Gyachung Kang und dem Everest-Massiv
durch den von West nach Ost gerichteten West-Rongbuk-Gletscher, der am Nup La
(5985 m) beginnt und in den nach Norden gerichteten Rongbuk-Gletscher
mündet. Wäre nicht der Nup La auf seiner Westseite durch steile
Eisbrüche praktisch unpassierbar, so hätte dieser Pass wohl eine
ähnliche Bedeutung für den "kleinen Grenzverkehr" zwischen
Tibet und Nepal wie der Nangpa La westlich des Cho Oyu.
Die weiteren beiden Fotos geben einen guten
Überblick über das Kangshung-Tal mit seinen umgebenden Bergen. Das Tal
liegt vollständig auf tibetischem Gebiet und wird auch nur von hier aus
erreicht. Die Grenze verläuft über die Gipfel der 8000er. Die
Steilwände von Makalu (8475 m, Erstbesteigung 1955) und Chomolonzo (7790
m, Erstbesteigung 1954) sind gewaltig, alles in den Schatten
stellt aber die sog. Kangshung-Flanke von Lhotse und Everest, die auf den
beiden Fotos weiß herüberleuchtet. Lhotse und Everest kennt man von Süden als schwarze Felsmauer, den Everest von Norden ebenfalls als einen
Giganten aus Fels, nur gelegentlich weiß überzuckert. Die Ostwand von
Lhotse und Everest aber ist von den Gipfeln bis zu ihrem Fuß ein einziger
steiler, weißer Hängegletscher, unnahbar und äußerst gefährlich durch
pausenlose Lawinenabgänge. Dass hier in den Jahren 1983 und 1988
Expeditionen ein Durchkommen gefunden haben, mag man kaum glauben.
Das fünfte Foto zeigt den Blick vom
Pethangtse (6710 m) im Grenzkamm zwischen Barun-Gletscher und Kangshung-Tal nach Norden bis Nordosten mit der
Kangshungflanke des Everest. Dieses Bild verdeutlicht den krassen
Größenunterschied zwischen den ganz hohen Gebirgszonen und den Bergen am Rand
des tibetischen Hochlandes. Obwohl es hier noch 7000er gibt, wirken diese
Berge in unmittelbarer Nachbarschaft der höchsten 8000er geradezu "mikrig".
Ergänzend zum vorstehenden
Gesamtüberblick mit den 5 Panorama-Fotos seien aber doch noch einige
Punkte des Grenzkette in der Annäherung von Norden beschrieben.
Im Westen der Khumbu-Region befindet sich
einer der wichtigsten Passübergänge für den lokalen Warenverkehr
zwischen Tibet und Nepal, der Nangpa La (5716
m). Der letzte Ort im Norden ist Tingri. Jenseits des Passes im Süden kommt man zuerst nach
Thame, bevor Namche Bazar erreicht wird (die Beschreibung dieser Region
finden Sie hier). In unmittelbarer Nähe
des Nangpa La liegt das vorgeschobene Basislager (Advanced Basecamp = ABC)
am Cho Oyu (8201 m, Erstbesteigung 1954). Der Trekker oder Bergsteiger
möge sich aber auf keinen Fall zu einer Grenzüberschreitung verleiten
lassen. Auf chinesischer Seite wird der Passübergang streng bewacht.
Von der tibetischen Hochebene aus werden
die dortigen Basislager von drei Achttausendern mit dem Jeep erreicht: am Shisha Pangma,
am Cho Oyu und am Mount Everest.

Blick vom Cho Oyu-Basislager (4900 m) nach
Süden in Richtung Passübergang Nangpa La.
Von links: Cho Oyu (8201
m), Phasang Lhamu Chuli (Jasamba, 7352 m), Jobo Rabzang (6666 m)
Vor dem Jobo Rabzang zweigt eine Route nach Südwesten zum Menlungtse
(7181 m) im Rolwaling Himal ab.
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de
Wenige Kilometer vom
Basislager des Cho Oyu entfernt liegt die Stirnmoräne des Gyabrag-Gletschers.Der
Weg zum Pass bzw. zum Cho Oyu verläuft hinter der östlichen
Seitenmoräne dieses Gletschers; der von Südosten
einmündende Balung-Gletscher wird überquert. Schließlich ändert der
Gletscher seine Richtung nach Südost, und dort steht plötzlich die Nordwestwand des
Cho Oyu vor dem Wanderer. Auf 5720 m Höhe befindet sich das ABC unter der
Südwand des Lagergipfels P 6395. Im Südwesten - auf derselben Höhe -
liegt der Nangpa La, jenseits eine Reihe unbenannter 6000er mit
interessanten Formen.

Blick vom ABC (5720 m) zur Nordwestwand des
Cho Oyu (8201 m).
Die Normalroute folgt dem Gletscher ganz rechts, verläuft dann hinter dem
nach links ansteigenden Felsgrat bis zum Beginn des Hochgletschers (Camp
1, 6400 m). Von dort führt die Route weiter diagonal nach links zum
oberen Gletscher. Oberhalb des sichtbaren Eisbruchs ist Camp 2 auf 7000 m,
unter dem markanten Felsband dann Camp 3 auf 7500 m.
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

Blick von Camp 3 (7500 m) am Cho
Oyu (8201 m) nach Westen.
Am Horizont in Bildmitte der Shisha
Pangma (8027 m). Rechts am Horizont die Bergkette des Labuche Kang,
davor der Jobo Rabzang (6666 m). Der Gyabrag-Gletscher hat einen
S-förmigen Verlauf von links nach rechts. Das ABC (5720 m) liegt knapp
rechts der genauen Bildmitte am Fuß des Lagergipfels P 6395. Am Hang sind
die Zelte von Camp 2 (7000 m) zu sehen. Camp 1 (6400 m) steht am unteren
Ende dieses Hangs, wo ein leichter Gegenanstieg zu erkennen ist.
Der Nangpa La (5716 m) liegt hinter dem Berg
(P 6600) links jenseits des Gyabrag-Gletschers.
Das Tal jenseits der Grenzgipfel am Nangpa La führt hinunter zur
Nordseite des Rolwaling Himal.
Foto: Joancuyas,
flickr.com

Blick aus etwa 7800 m Höhe am Cho
Oyu (8201 m) nach Südwesten zum Rolwaling Himal
Von links: Numbur (6958 m), Tengi Ragi Tau (6943 m), Dragkar Go (6793 m),
Tsoboje (6689 m), Drangnag Ri (6801 m), Kang Nachugo (6735 m), Menlungtse
(7181 m).
Am rechten Bildrand unten der Phasang Lhamu Chuli (Jasamba, 7352 m)
Foto: Vik
Sahney, picasaweb.google.com
Der Gipfel des Cho Oyu ist mit ca. 1/2
Quadratkilometer eine so
große, fast ebene Hochfläche, dass der Bergsteiger bei schlechter
Sicht Mühe hat, den höchsten Punkt zu finden. Bei guter Sicht werden
die Mühen durch den Blick auf Kangchenjunga (8586 m),
Mount Everest
(8850 m) und Lhotse (8516 m) im Osten belohnt. Der Makalu ist durch den
Lhotse verdeckt.

Blick vom Gipfel des Cho Oyu
(8201 m) nach Osten
zum Mount Everest (8850 m),
Lhotse (8516 m) und Nuptse (7879 m). Links
vom Everest am Horizont der Kangchenjunga (8686 m). Über der vom
Bergsteiger gehaltenen Fahne erkennt man den West-Rongbuk-Gletscher; der
spitze Gipfel darüber ist der Changtse (7543 m).
Foto: Martin
McGarvey, flickr.com
Das einführend gezeigte zweite
Panorama-Foto zeigt die entgegengesetzte Sicht vom Gipfel des Mount
Everest in Richtung Cho Oyu. Dort ist der markante Einschnitt in die
Gebirgskette durch den West-Rongbuk-Gletscher besonders gut zu erkennen.
Von Norden gesehen ist die lange und hohe
Bergkette vom Cho Oyu bis zum
Gyachung Kang genauso markant wie von
Süden, wie das erste Panorama-Foto zeigt. Von der Nordwand des Gyachung
Kang fließt der gleichnamige Gletscher nach Norden ab. Dieses Tal mündet
nördlich des Klosters Rongbuk in das Rongbuk-Tal, das direkt von der
Everest-Nordflanke kommt. Die Flüsse all diese Täler und auch der Täler
nordöstlich und östlich des Everest schicken ihre Wasser letztlich zum
Ganges im Süden. Sie fließen nicht nach Norden zum Tsangpo, sondern nach
Osten zum Arun, der den Himalaya dann östlich des Makalu nach Süden
durchbricht. Wie schon in der Gesamtübersicht
erläutert wurde, ist der Himalaya keine Wasserscheide. Der Arun hat - wie
auch andere Flüsse - bereits vor der Entstehung des Himalaya existiert, sich mit der Hebung des Gebirges
eingegraben und seinen Verlauf nach Süden beibehalten.
Das Rongbuk-Tal ist ein Tal mit breitem
Talboden, das bis zum Everest-Basislager (5180 m) mit Jeep befahren werden
kann. Hier endet der Rongbuk-Gletscher, in den weiter südlich seine
beiden Seitenarme, der
East-Rongbuk-Gletscher und der West-Rongbuk-Gletscher einmünden. Die Normalroute zur Everest-Nordflanke
führt durch das Seitental des East-Rongbuk-Gletschers. Der Trekker kann
bis zum ABC (Advanced Basecamp) auf 6400 m Höhe gelangen, eine gute
Akklimatisation vorausgesetzt.

Blick vom Basislager (5180 m) im
Rongbuk-Tal zur
Nordflanke des Mount
Everest (8850 m)
Von links: Changzheng (6916 m), Changtse (7543 m, vor dem Everest), Mount
Everest, Everest-Westschulter (7205 m), Nuptse
(7879 m), P 6485
Hinter dem Lager die Stirnmoräne des Rongbuk-Gletschers. Der Weg zur
Nordflanke führt links durch das Tal zwischen Berghang und Seitenmoräne und dann in das Seitental nach
links, durch das der East-Rongbuk-Gletscher herabkommt.
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

Telefoto der Everest-Nordwand. Wer genau
hinschaut, erkennt erste, zweite und dritte Stufe am Nordostgrat. Der
Changtse vor der Nordwand erscheint trotz seiner 7543 m wie ein Zwerg. Gut
zu erkennen sind die unterschiedlichen geologichen Schichten im
Gipfelaufbau. Das sog. gelbe Band endet knapp unter der ersten Stufe.
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

Blick von der Einmündung des Tales des
East-Rongbuk-Gletschers in das Tal des Rongbuk-Gletschers nach Südwesten
zum Pumori (7145 m). Der Gletscher aus Richtung des Pumori ist der
West-Rongbuk-Gletscher.
Foto: JayCC,
flickr.com